Das Ja zum Sein Das Wetter weint im Urlaubsland, der kalte Regen fällt auf Sand. Du stehst am Fenster, starrst hinaus, und Tränen folgen dem Applaus. Doch suchst du hier am falschen Ort das große, tiefe Glückswort dort. Nicht Wolken haben dich verletzt, es ist dein Ego, das sich setzt. Das Leben formt sich nicht…
Besonders anders Du bringst mich zum Lachen und machst Glück so nah, wie es in meinem Leben selten geschah. Es ist dieses „Anders“, das dich ausmacht und strahlt, das uns mitten in der Nacht zusammenrückt und malt. Es ist viel zu leicht, dich von Herzen zu lieben, mein Blick auf die Welt wird durch dich…
Das Leuchten der Narben Da sind diese Risse, tief in deiner Brust, hätt’ ich doch früher um ihr Dasein gewusst. Doch deine Mauer war steil und aus Stein, ich bat dich nur leise: Lass mich hinein. Es vergingen nicht Tage, es strichen Jahre ins Land, bis ich jedes Wort in meinem Herzen erfand. Ich schmeckte…
Der Heiligabend in dem kleinen Küstenort war eisig. Clemens stand allein am Fenster seines alten Hauses und blickte hinaus auf die Nordsee. Das Wasser lag da wie ein stummes, tiefes Wellenheer, dunkel und unendlich. In seinem Inneren sah es genauso aus. Früher war Clemens ein Mann voller Leidenschaft gewesen. Er hatte die Malerei geliebt, das…
Das innere Raubtier Zwei Wesen ringen mir im Blute, ein weißer Engel, zart und rein, ein finstrer Dämon voller Knute, gefangen im Gedankenschrein. Sie kämpfen stumm in meiner Brust, um jede Tat, um jeden Schmerz. Der eine schenkt mir Lebenslust, der andre bricht das weiche Herz. Sie gieren beide nach der Macht, sie reißen an…
Der Schnee lag wie eine schwere, schützende Decke über den Hügeln von Kapela, als der weiße Mercedes-SUV die letzte Kurve vor der Stadtgrenze passierte. Schon beim Einfahren nach Bjelovar stockte Stella der Atem. Die Stadt glich einem lebendigen Wintermärchen. Von Laterne zu Laterne, über die gesamte Straße hinweg, waren kunstvolle Seile gespannt, an denen tausende…
Widmung Für alle eigenständigen, starken Seelen, die kein stummes Verschmelzen suchen, sondern das Glück auf Augenhöhe. Und für den Menschen, der meine Kirsche auf der Torte ist. Der warme Wind der Adria peitschte den Regen durch die Gassen von Urbino. In der Küche von Nonna Francesca – Ritas temperamentvoller Großmutter – brodelte ein riesiger Topf…
Das Gesuch des Dieners Es sprach das Glied mit ernstem Blick: „Ich fordere mein Gehalts-Glück! Ich schufte schwer, ich schufte viel, doch Ausbeutung ist hier das Spiel. Ich arbeite stets steif und hart, auf ganz besondere Arbeitsart. In tiefen Schluchten, finstren Gängen, wo Feuchtigkeit und Hitze drängen. Ich stürze kopfüber ins Gefecht, an Feiertagen wird…
Der Winterwind fegte eisig durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen von Varenna am Comer See. Es war der einundzwanzigste Dezember. Während die Fenster der Nachbarn in warmem Gold erstrahlten und der Duft von gerösteten Kastanien durch die Luft zog, saß die 28-jährige Stella in der kleinen, abgedunkelten Schneiderwerkstatt ihres Großvaters. Vor drei Wochen hatte Matteo seine…
Ein stummes Wort im Seewind Ein kalter Winterwind peitschte die Wellen gegen die Klippen von Positano. Am Nachmittag des 24. Dezembers waren die steilen, bunten Gassen, die sich sonst im Sommer vor Touristen drängten, still und verlassen. Während unten im Hafen die Fischer ihre Boote sicherten, herrschte in Sofias (61) kleiner Bottega hoch oben am…
Der Schneesturm peitschte durch die Häuserschluchten, als Laurenz die schwere Eichentür der Kanzlei hinter sich ins Schloss warf. In seiner Aktentasche: der unterschriebene Senior-Partner-Vertrag. Mehr Geld, mehr Macht. Auf seinem Smartphone befanden sich 24 ungelesene Nachrichten. Eine davon war von Helena, seiner Verlobten: „Glückwunsch, Schatz! Der Champagner für die Party morgen steht kalt. Jetzt können…
Sehnsucht nach dem fernen Strand Ein Duft von Blüten wiegt sich sanft im Wind, wo reife Orangen in der Sonne glühen. Mein Sehnen zieht dorthin, wo Träume sind, wo goldne Zitronen an den Hängen blühen. Ein tuckernd Boot zieht Spuren durch das Blau, vom fernen Ruf der Möwen sanft begleitet. Sie kreisen frei in heller…
Der eisige Wind peitschte den Schnee über die Gleise des kleinen, abgelegenen Bahnhofs von St. Christoph. Es war der späte Nachmittag des 24. Dezember. Der Regionalzug, der eigentlich die letzten Pendler nach Hause bringen sollte, stand mit einem dumpfen Zischen auf Gleis zwei. Wegen eines schweren Schneebruchs auf der Strecke ging es nicht mehr weiter.…
Sommerlicht in mir Ich möchte dir so vieles sagen, dich tief in meinem Herzen tragen. Noch tiefer will ich in dich sehen, um deine Seele zu verstehen. Hier sitz’ ich nun, so still, allein, und möchte so gern bei dir jetzt sein. Mein Denken ist von dir durchdrungen, das „Wir“ hat mich ganz fest umschlungen.…
Der Schnee fiel in dichten, lautlosen Flocken auf das beleuchtete Schild der Gemeinschaftspraxis in der Altstadt. Drinnen roch es nach Desinfektionsmittel, Kaffee und der Kälte, die die letzten Patienten am Morgen mit hereinbrachten. Dr. Stefan Lindner (62) saß allein an seinem Schreibtisch. Seine Hände, die jahrzehntelang Diagnosen notiert und Menschen geheilt hatten, hielten eine leere…
Die Gassen des Bergdorfs San Giovanni waren zur Weihnachtszeit erfüllt vom Duft gerösteter Mandeln, Orangenschalen und frischem Panettone. Maurizio stand in seiner kleinen Webwerkstatt. Seine Hände strichen über ein unfertiges Tuch aus silbergrauer Wolle. Seit dem Frühjahr fühlte sich sein Inneres an wie eine leere Webstube. Maurizio trug eine schwere Last mit sich. Seine Frau…
Der Wind peitschte den Schnee gegen die Scheiben der alten Dorfbäckerei, doch drinnen brannte nur noch ein einziges, schwaches Licht. Franziska stand am hölzernen Arbeitstisch. Ihre Hände waren tief im Mehl vergraben, obwohl die Öfen längst kalt waren. Die Betriebsamkeit des Weihnachtsabends war vorbei. Die Dorfbewohner saßen längst in ihren warmen Stuben, doch Franziska konnte…
Der Wind peitschte den Schneeregen gegen die Fensterscheiben von Carens kleiner Wohnung. Es war der 24. Dezember. Während die Stadt im festlichen Glanz versank, saß Caren am Küchentisch. Vor ihr lag ein handgeschriebener Brief von Romano. „Ich verspreche dir, dieses Weihnachten wird alles anders. Ich liebe dich. Ich bin pünktlich um sechs da.“ Es war…
Die Altbauwohnung roch nach Zimt, teurem Parfüm und einer Perfektion, die Simone den Atem nahm. Peter stand am Fenster, ein Glas Champagner in der Hand, und sprach mit dieser samtweichen Stimme, die Simone einst für ein Zuhause gehalten hatte. Er redete über seine Pläne, über die Kunstgalerie, über ihre gemeinsame Zukunft, die er wie ein…
Die Wintersonne versank wie eine glühende Orange im Tyrrhenischen Meer. Sie tauchte die pastellfarbenen Häuser von Scilla, einem uralten Fischerdorf an der kalabrischen Küste, in ein warmes, goldenes Licht. Der Duft von frischen Bergamotten und reifen Zitronen lag in der salzigen Abendluft. Es war der Tag vor Heiligabend. In den engen, treppenreichen Gassen von Chianalea,…