Die Hand schließt sich um scharfes Glas,
das Fleisch zerbricht, die Wunde klafft.
Kein Mensch hält fest, was ihn verletzte,
weil uns der Schmerz den Instinkt schafft.
Man lässt es fallen, weicht zurück,
beschützt die Haut, den Augenblick.
Doch blickt man in die Seelenwelt,
wo unsichtbares Glas uns schneidet…
da zeigt sich, wie der Geist zerfällt,
der jahrelang im Stillen leidet.
Wir klammern uns an spitze Scherben,
und lassen lieber Hoffnung sterben.
Wir halten fest, was uns zerreißt,
als wär der Schmerz ein warmes Kleid.
Weil uns die Angst im Dunkeln weist:
„Bleib treu dem alten, tiefen Leid!“
Denn das Bekannte, wie profan,
zieht uns oft mehr als Freiheit an.
Wir suchen Sinn im Trümmerfeld,
erwarten, dass die Wunde heilt…
indem man stur dieselbe Scherben
noch tiefer in die Seele keilt. Ein
offnes Ende quält das Hirn, wir
pressen es an unsre Stirn.
Man hofft auf eine späte Sühne, ein
Wort, das alles ungeschehen macht,
doch bleibt die innre Lebensbühne
nur stumm bespielt in finstrer Nacht.
Das Glas wird heiß, die Hand kann nicht
mehr, doch loszulassen fällt so schwer.
Erst wenn wir sehn, dass dieses Halten
nicht schützt, sondern uns selbst zerstört,
kann sich der Griff im Geist entfalten
der viel zu lang der Angst gehört. Leg
ab das Glas. Die Hand darf heilen.
Du musst nicht mehr im Gestern weilen.

Dana Stella Schuhr

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