Spiegel der Stille Zwei Welten weben stumm an ihrer Not, die eine sucht im Schweigen ihr Asyl, die andre floh das giftig süße Brot, und jede spielt ihr eigenes Gefühlsspiel. Der Mann baut oft sein Haus auf einem Herz, das ihm die Welt und jeden Trost ersetzt. Bricht diese Säule, bleibt ein tiefer Schmerz, weil…
Vom Scheine des Erfolgs Es drängt die Welt nach lautem Schein, man will der Größte, Beste sein. Mit harter Hand und kühnem Blick, erzwingt man sich ein schnelles Glück. Man nimmt sich Raum… man nimmt sich Macht und schaut nicht, wer im Schatten wacht. Das Ego groß, das Rückgrat schwach, folgt Gier dem Stolz ins…
Wortgewand und Seelenbrand „Ich liebe dich“, so spricht das Wort, doch grausam bricht es gleich darauf. Du suchst nach Schutz an diesem Ort, doch nimmst nur neue Wunden auf. Es ist ein Tanz aus Licht und Nacht, ein Widerspruch, der dich zerreißt, wo falscher Schwur die Fesseln macht und Kälte dir die Wärme weist. Sie…
Das Prisma der Seele Ein Prisma bricht das eine Licht in Farben, so spiegelst du dich in der Welt der Form. Für manche heilst du tief verborgne Narben, für andre bist du Chaos und ein Sturm. Im Buch der Fremden bist du Held und Retter, im nächsten Kapitel nur ein dunkler Schatten. Du bist das…
Die Heimkehr zu sich Sie bog sich weich, um nicht zu brechen, erkaufte Nähe durch Verzicht, verbot dem Mund, das Wahre zu sprechen, und trug im Sturm ein fremdes Gesicht. Sie lächelte noch im tiefsten Schmerz, um ja den Frieden nicht zu stören, und opferte leise ihr eigenes Herz, nur um im Außen dazuzugehören. Doch…
Der Baum der Gegenwart Mit achtzehn blickt man scheu zurück, sucht nach dem Sport, dem frühen Glück. Der Körper reift, die Zeit verfliegt, weil die Versäumnis schwerer wiegt. Mit fünfundzwanzig wacht man auf, betrachtet der Noten alten Lauf. Man denkt: Hätt’ ich mich mehr bemüht, als noch der Geist der Schule blüht‘. Die fünfunddreißig klopft…
Ohne dich Ohne dich erbleicht das Feld, weit und leer wird mir die Welt. In der Nacht, so kalt und klein, muss mein Herz nun einsam sein. Stumm der Quell am Schwellenrand, der einst hell und klar entstand. Vögel schweigen tief im Wald, wie ein Harfenton verhallt. Nächte werden schwarzer Flor, dicht verschlossen Himmelstor. Ohne…
Ich seh mich durch deine Augen Ich las die stillen Zeilen, die du mir zugedacht; sie ließen Wunden heilen und haben Licht entfacht. Du zeigtest mir die Farben, so leuchtend und genau, ließst still in mir erstarken, was längst versank im Grau. Es stimmt, der Alltag macht uns klein, lässt manchen Funken blasser sein. Im…
Das Obsidianen-Dach Ein Sonnendach aus Lügenfetzen spannt sich obsidianen schwer, um falsche Lichter einzusetzen –ein bleiches, künstliches Gestirn. Es tarnt die Nacht als Schutzkapelle, damit der Blick im Dämmern bleibt, und jede unbarmherzige Helle aus unsrer Komfortzone treibt. Wie wär es wohl im nackten Lichte Was wartete am Horizont? Wenn eine Hand das Dach durchbräche,…
Ich sehe dein Licht „Ich bin nicht sonderlich“, so sprachst du einst zu mir, „nur etwas anders sicherlich, doch nichts Besonderes in mir.“ Ich sah dich an, ganz still und sacht, und schüttelte nur leis das Haupt: Ein jeder ist als Wunder gedacht, auch wenn er selbst nicht daran glaubt. Wer dieses Wunder nicht erkennt,…
Der Tritt des Universums Ein virtueller Raum aus Licht und Klang, zwei Seelen, die im fernen Äther schweben. Aus Hamburg drang ein warmer Herzensdrang nach München, um sich Sehnsucht hinzugeben. Gefangen beide im vertrauten Kreis, der Alltag eng, die alten Fesseln schwer, da brach ein Funke durch das dicke Eis und warf sein Licht auf…
Der Kreis aus eigenem Blut Vom ersten Schrei, im väterlichen Hause, wächst tief im Kind ein Ur-Vertrag heran. Man sucht den Schutz in jeder Lebenspause bei denen, deren Blut im eigenen rann. Doch Reife fordert einen neuen Schritt, wenn du das Nest für deine Liebe verlässt: Du nimmst die Ahnen als Geschichte mit, doch hältst…
Von heute auf morgen laut Es bricht die Stille wie ein Donnerhall, du stehst im Raum, der plötzlich einsam schweigt. Dein Ego sucht den Fehler im Metall, das blind den Finger auf ein Phantom zeigt. „Du hast ’nen Anderen!“ – so straft dein Wort, weil Eifersucht den Schmerz mit Wut kaschiert. Doch kein Rivale trieb…
Der Bund der Freien Ich brauche kein Versprechen für die Ewigkeit, kein starres Wort, das Angst vor dem Verlust beschwört. Ich suche den, der um die Macht des Wandels weiß… und dessen Herz dem Fluss des Lebens ganz gehört. Vergiss den Trugbildschein, der nie in Zorn entbrennt, der jede Wunde glättet, bis sie stumm verblasst.…
Wahre Ruhe Das Kissen weich, das Zimmer kalt, die Nacht greift nach der Seele Macht. Wenn nun das Echo laut erschallt, von dem, was du am Tag vollbracht:… Dann zeigt sich, wer im Innern wacht. Der Tag verblasst, der Lärm entflieht, das Ego bricht im fahlen Licht. Wer tief in seine Seele sieht… braucht vor…
Wenn die Wahrheit kommt Das Herz erfand ein helles Kleid für eine dunkle, kalte Zeit. Es nannte Liebe, was nur Schein, um nicht mit sich allein zu sein. Man schützt den Täter vor dem Licht, weil sonst das Kartenhaus zerbricht. Der Geist sah längst die bittere Spur, doch die Gefühle schwiegen nur. Man brauchte den…
Der Spiegel des Verschwundenen Ein Echo fordert laut Gehör, doch schweigt die Quelle, die es rief. Du schiltst sie „schwierig“ und „destruktiv“, als ob ihr Schmerz ein Zufall wär’. Du nennst sie „toxisch“, weil sie bricht, wenn tiefe Kälte sie umschließt. Weil sie die Tränen nicht mehr gießt, die du verleugnest im Gericht. Die Seele…
Der unbewusste Anker Das Auge blickt, das Herz nimmt an, was kaum der Geist begreifen kann. Wie ein Chamäleon im Gestrüpp, folgt unsichtbar der Mensch dem Typ… der neben ihm im Schatten steht, und dessen Wind ihn leise weht. Der Schattenmensch, von Neid geplagt, hat heimlich dir den Mut betagt. Sein Zynismus, tief im Kern,…
Exil der Masken Der Wind jagt dich durch Hallen ohne Spiegel, ein stummes Echo fordert deine Pflicht. Du brichst des eigenen Brunnens Siegel und suchst im Staub nach fremdem Licht. Im Dunkeln thront der unerbittliche Richter, er wiegt dein Sein in leerem Golde auf. Es löschen sich die inneren Gesichter, im Hamsterrad der Zeit, im…
Das Licht der Annahme Wir jagen Schatten, formen uns aus Stein, um endlich fehlerfrei und gut zu sein. Wir jagen einer fernen Norm hinterher, und machen uns das Leben selbst so schwer. Doch dieses Streben nach dem reinsten Licht ist oft nur Zwang, der unsere Seele bricht. Denn Heilung fordert keinen Perfektionismus, kein starres Schema…