Mit sieben Jahren kam das fremde Land,
ein Koffer voller Angst in kleiner Hand.
Aus Kroatien fort, zur Mutter hin, die
kaum noch wusste, wer ich für sie bin.
Vier Kinder waren für die jungen Eltern
schwer, das Haus war voll, das Herz oft öd
und leer. Als Älteste trug ich die Last der Welt,
hab’ schweigend mich vor jedes Kind gestellt.
Der Gürtel traf mich für der andren Schuld, ich
zahlte bar mit kindlicher Geduld. „Wir kleben
dir ’ne Marke auf den Arsch, kannst zurück
nach Kroatien!“ – sagte mein Stiefvater barsch.
„Du bist wie dein Vater!“, „Genauso dumm
und verfresssen !“ –Worte wie Steine, die mich
trafen, sie haben gesessen. aus meiner Kehle,
brach ein Licht, das man durch Nichts zerbricht.
Mit neun Jahren sang ich gegen den Schmerz,
die Königin der Nacht in meinem Herz. Die
Opern aus dem Radio, hoch und rein, sie ließen
mich für Augenblicke frei und glücklich sein.
Die Welt rief nach mir, bot mir eine Hand,
doch meine Eltern bauten eine Wand.
„Lern was Vernünftiges!“, so hieß das Wort,
und sperrten meine gold’ne Stimme fort.
Im Gastgewerbe, unglücklich und schwer,
gab ich den Abschluss und die Hoffnung her.
Ein Mann kam dann, ein Spiegel voller Trug,
der Narzissmus, der mir tiefe Wunden schlug.
Drei Jahre Leid, ein Kind aus dieser Zeit,
bis ich mich löste aus der Dunkelheit.
Die Seele krank, der Körper schrie nach Ruh,
doch dann schlug das Schicksal eine Türe zu –
Und öffnete ein Fenster, hell und weit, ein
neuer Mann für eine neue Zeit. Seit dreißig
Jahren stehst du nun an meiner Seit’,
gemeinsam gingen wir durch Freud und Leid.
Zwei Kinder mehr, ein Heim, das Liebe kennt,
auch wenn die Stimme nicht mehr für Opern
brennt. Mit fünfunddreißig ging der helle
Klang, doch in mir blieb ein tieferer Gesang.
Ich las mich klug, ich bildete mich fort, fand
im Papier den sich’ren Zufluchtsort. Heut’
zeichne ich die Welt in bunten Farben, und
meine Verse heilen alle alten Narben.
Was man mir absprach – Klugheit, Kraft und
Sinn –das weiß ich heute, weil ich bei mir bin.
Die kleine Tochter aus dem fernen Land hält
heute zufrieden und stolz die Feder in der Hand.
„Einst Königin der dunklen Nacht, nun Poetin
am hellen Tag, die endlich ihr Geschick bejaht
und sich nun selber mag. Was mir im Geist auch
immer blüht, ich schreib es mutig nieder…
es heilt in mir das alte Lied und gibt mir
meine Freiheit wieder. Früher gedemütigt
und verlacht – heut’ hab’ ich selbst die Macht,
ich hab’ durch Schreiben mir am Ende …
das Licht mit Liebe zurückgebracht. Kein
Racheschwur, kein bleibend bitteres Wort
soll meinen Geist beflecken, im Schreiben fand
ich jenen Ort, an dem sich Wunder wecken.“

Dana Stella Schuhr

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