Zuerst ist da das helle Licht,
ein Lachen, das den Morgen trägt.
Man liebt das strahlende Gesicht,
solang kein Schatten Wege prägt.
Es ist die Liebe, die geschieht,
wie warmer Wind im jungen Mai,
wie jenes Lied, das weiterzieht,
noch leicht, noch sorglos, still und frei.
Doch wenn der Alltag Schleier hebt
und jede Maske langsam fällt,
wenn alte Wunden neu belebt
ihr Schweigen tragen durch die Welt,
wenn Ängste an den Mauern nagen
und Zweifel durch die Nähe ziehn,
beginnt die Wahrheit nachzufragen,
ob Herzen bleiben oder fliehn.
Denn Liebe zeigt sich nicht im Licht,
wenn alles leicht und freundlich scheint.
Sie zeigt sich dort, wo etwas bricht
und dennoch Herz mit Herzen meint.
Wenn man die Fehler offen sieht
und nicht im Dunkel voneinander weicht,
wenn selbst die Harmonie entflieht
und trotzdem eine Hand noch reicht,
dann wächst aus Funken tiefes Verstehen,
ein leises Ja, durch jeden Sturm zu gehen.
Die erste Liebe war ein Geschenk der Zeit,
die zweite trägt den Klang der Ewigkeit.
Sie ist kein Zufall, kein flüchtiger Schein,
sie sagt: Ich will auch morgen bei dir sein.
Man liebt denselben Menschen zweimal neu –
zuerst im Glanz und später wirklich treu.
So wächst aus Tränen festes Fundament,
das keine Maske und kein Schweigen trennt.
Nach jeder Nacht bricht neuer Morgen vor,
gemeinsam geht man durch das engste Tor.

Stella Schuhr ⭐

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