Expression Ich habe lang nicht mehr bereut, doch grad begonnen dich kennen zu lernen. In deinen Augen bricht die Sintflut und meine ziehen ins… rote Meer. Nur ein neuer kurzer Abschied in einem alten langen Brief und in einer verstaubten Spieluhr, höre ich noch unser Lied. In einer viel zu kleinen Kiste, schleppe ich noch…
Die Maske des „Alles gut“ Das Glück wird blass, die Stunden rar, wir sind nur Leib, dem Schmerz geweiht. Ertrinkende im Daseinsmeer, doch leugnen wir die Bitterkeit. Wir zahlen einen hohen Preis, Verzicht ist Leben, Leben Not. Wir träumen uns in gold’ne Tage, aus Angst vor künft’gem Abendrot. Das Herz würd’ brechen, sähen wir, was…
Das einstige Band Du hast nicht mal zurück geschaut und bist einfach gegangen‘. Aus deinem Mund kein einziger‘ Laut, kein Wort, kein Satz erklangen. Ich rief nach dir, wollte hinterher, doch warst du für mich taub. Mir fehlte die Kraft, die Beine schwer, wie am Boden festgeschraubt. Das einstige Band, das uns verband, gedehnt auf…
Die Klippe An einer Klippe, steil und grau, stehst du und winkst mir leise zu. Dein Lächeln bricht im kalten Tau, im Gras liegt einsam nur ein Schuh. Die Kleider hängen schwer in Fetzen, die Haut ist blutig und versehrt. Wo Träume einst die Welt ersetzten, ist heute jeder Wunsch verzehrt. Ich reich die Hand…
Der Weg nach Haus Ich wünscht’, ich hätt’ Wurzeln, tief und fest, oder Flügel, die weit mich entführen, einen Ort, der mich niemals alleine lässt, um endlich Geborgenheit zu spüren. Ich such’ nach dem Echo, das Antwort mir gibt, dort, wo das Herz leise „Heimweh“ singt. Wo man mich erkennt und wo man mich liebt,…
Mein eigener Hafen Ich suchte nach Wurzeln in fremder Erde, nach Flügeln, die weg von mir führen. Ich wartete drauf, dass ich wertvoll erst werde, wenn andere mich endlich berühren. Ich sehnte mich bang nach dem fehlenden Ort, nach Blicken, die mich nicht mal sehen. Ich gab oft meine Ruhe an andere fort, um bettelnd…
Der hölzerne Gast Der Witz will nicht an frischem Leben nippen, verharrt im Geist und schlägt dort einen Kringel. Er findet sich nicht komisch, dieser Schlingel, und scheut… den Sprung von den geschlossenen Lippen. Dabei bedürft’ es nur der Finger Schnippen, und er entflöhe laut dem Schmuckgeklingel der Dame dort; … sie wartet, sie ist…
Der Wellenritt Du stehst am Rand, das Wasser bebt, ein gewaltiger Sturm, der in der Tiefe lebt. Die Angst will dich zum Ufer treiben, die Scham will still im Sande bleiben. Doch wer die Brandung nur betrachtet, hat seine Sehnsucht missachtet. Mal wirft dich eine Welle nieder, die Trauer schmerzt, drückt auf deine Glieder. Dann…
Amen, aber bitte ohne Damen! Seit fünfzehn Jahren – welch ein Graus – treibt sie ihn aus dem Pfarrhaus raus. Er rauft die Reste seiner Haare, sie plant schon Goldene Hochzeitsjahre! Er betet: „Herr, nimm diesen Kelch!“, doch vor der Tür steht dieser Elch. Vom „Gottesmann“ total besessen, hat sie den Anstand längst vergessen. Sie…
Der schwere Abschied Die Hand wollt’ ich dir reichen, beugt’ mich zum Abgrund tief, gefolgt den dunklen Zeichen des Geists, der nach dir rief. Ich konnte dich nicht halten, du warst bereit zum Flug, entglittst den Erdgestalten mit leichtem Atemzug. Das Dasein schien dir flüchtig, ein Spiel, befreit von Not, nicht herb und essig- nüchtig,…
Der Herzschlag der Freiheit Ich spüre es schlagen in meiner Brust, es pumpt das Blut, vertreibt den Frust. Die Schmerzen vergehen, mit ihnen der Sinn, dass ich noch länger so traurig bin. Der Kummer wird klein, die Hoffnung so weit, sie strömt durch die Seele, macht sich bereit. Sie wächst und sie steigt wie eine…
Der Sieg der Unbeugsamen Das Brett zerbricht, die Zeit verharrt, wo Schwarz und Weiß in Fesseln schlägt. Was and’re hielten, eng und starr, hat sie mit einem Schlag gefegt! Kein Königszug, kein Matt, kein Fall – sie ist der Sturm, der freie Schall. Sie braucht kein Feld, um groß zu sein, sie ist die Macht,…
Ungesagtes Dein Blick, so tief, so unentwandt, sucht er in mir ein fernes Land? Dein Mund, er formt ein stummes Wort, doch die Bedeutung weht mir fort. Was ist’s, das du von mir begehrst? Dass du dein Schweigen nicht verzehrst? Gleich einem Geysir vor dem Beben –die Stille lässt mich kaum noch leben. Ich flüchte,…
Engel und Teufel streiten Ein weißer Flügel, eine dunkle Schwinge, sie fechten laut um mein Geschick. Inmitten all der großen Dinge entscheiden sie über mein Glück. Der Engel raunt: „Lass dich entführen, schließ die Augen, fühl das Licht. Du musst die Liebe neu berühren, verlier das Gottvertrauen nicht.“ Doch gellend bricht des Teufels Lachen die…
Nur die Liebe hält mich hier Ich bleibe nicht, weil du mich brauchst, weil du im Außen nach dir suchst. Was du in mir zu finden glaubst, ist längst in dir – auch ungeflucht. Kein Band der Not soll uns binden, keine Abhängigkeit, und auch kein stummer.Zwang. Ich will mich nicht im Du verlieren, sondern…
Geduld der Zeit Wenn du am Boden liegst, entkräftet, und kein Ausweg sich dir zeigt, wenn das Leben dich nur schmerzt und die Hoffnung vor dir schweigt, verzweifle nicht. Vertrau der Zeit… die stetig fließt, auch wenn kein Weg dir heute taugt. Es wird nicht mehr, wie es mal war, das Gestern ist verraucht. Doch…
Lichtblick Vielleicht sind sie niemals fortgegangen, nur leiser geworden im tosenden Wind. Wir hielten sie einst wie in Netzen gefangen, so wie es nur jene tun, die noch Kind. Wir bauten Schlösser aus flüchtigem Schaum, auf Fundamenten aus Sehnsucht und aus Licht. Dann fraß der Alltag den nötigen Raum, und wir verlernten ihr sanftes Gesicht.…
Mehr als nur Brauch Einst war er jung, der Geist so hell, belas sich klug an jeder Quell’. Wo andre noch bei Google baten, hat er die Antwort längst verraten. Sie flüsterte: „Wie viel du weißt“, vom tiefen Wissen ganz vereist, und hoffte still, wie es so Brauch: Er lächelt nur: „Du weißt es auch!“…
Lichtreigen Wenn Goldfäden den Tag durch-weben, und ich im Windesodem steh’, beginnt ein leises, freies Schweben, dass ich die Welt mit Staunen seh’. Wie weißer Flor auf grünen Matten, verneigen Blüten sich dem Licht, es fliehen Angst und dunkle Schatten, wenn sanft der Strahl die Wolken bricht. Im Silbertanz der Regenschauer, streck‘ ich die Hände…
Nachtschwarz, wo die Gier den Takt bestimmt. Die Helligkeit bricht jäh entzwei, das Licht wird kalte Asche nun, Kein Flehen mehr, kein Hilfeschrei, in Schatten lässt die Lust uns ruhn. Ich schließe meine Finger fest um deinen Hals, um deinen Geist, bis du das letzte Licht verlässt und dich in meiner Nacht verlierst. Kein Segen…