Seelenwelten von Dana Stella Schuhr


Autor: Dana Stella Schuhr

  • Der Wind peitschte den trockenen Pulverschnee durch die engen Gassen der Altstadt. Es war der einundzwanzigste Dezember. Überall leuchteten die Fenster in warmem Gold, und Menschen eilten mit bunt verpackten Paketen aneinander vorbei. Sie lachten, trugen glitzernde Taschen und verloren sich im funkelnden Schein des Weihnachtsmarktes. Mittendrin stand Helena. Sie zog den Kragen ihres Mantels…

  • Der Heiligabend in dem kleinen Küstenort war eisig. Clemens stand allein am Fenster seines alten Hauses und blickte hinaus auf die Nordsee. Das Wasser lag da wie ein stummes, tiefes Wellenheer, dunkel und unendlich. In seinem Inneren sah es genauso aus. Früher war Clemens ein Mann voller Leidenschaft gewesen. Er hatte die Malerei geliebt, das…

  • Der Wind peitschte den eisigen Schnee durch die engen Gassen von Altenbrück. Es war Heiligabend. Während überall in der Stadt die Fenster in warmem Glanz erstrahlten und das Lachen von Familien durch die Straßen hallte, blieb ein einziges Gebäude am Marktplatz vollkommen dunkel: die alte Werkstatt von Johann. Johann starrte auf das weiße Papier. Er…

  • Für Elisa fühlte sich dieser Dezember an wie eine Ewigkeit aus Eis. Die Worte des alten Gedichts, das sie einst in einem staubigen Buch gefunden hatte, waren zu ihrer bitteren Realität geworden: „Ohne dich erbleicht das Feld, weit und leer wird mir die Welt.“ Nach einer schmerzhaften Trennung im Spätherbst, bei der ihr klar geworden…

  • Draußen tanzten die Schneeflocken wild um die Kuppel des Petersdoms, doch in Marios kleiner Altstadtwohnung in Rom schien die Zeit stillzustehen. Alles war bereit für den Heiligen Abend. Auf dem Tisch stand eine edle, handgegossene Kerze – unberührt und kalt. Daneben lag ein schwerer Flakon aus geschliffenem Kristall, der einen kostbaren Duft gefangen hielt. Mario…

  • Der weihnachtliche Ball der Agentur war ein Meer aus glitzernden Kleidern, Champagnergläsern und lautem Lachen. Julian stand am Rand der Tanzfläche, im perfekten Smoking, das Glas erhoben. Er funktionierte, lächelte und spielte die Rolle des erfolgreichen Mannes. Doch in Wahrheit trieb er nur hilflos mit dem Massenstrom mit. Er spürte eine tiefe, winterliche Kälte in…

  • Der kalte Dezemberwind trieb dicke Schneeflocken vor sich her, als Elias durch die festlich beleuchtete Altstadt ging. Überall drängten sich Menschen durch die Gassen, bepackt mit bunten Einkaufstüten, gehetzt von der Jagd nach den letzten Geschenken. Elias spürte nur eine tiefe, lähmende Müdigkeit. Die letzten Jahre waren schwer gewesen, grau und voller Sorgen. Inmitten des…

  • Das Feuer im Kamin knackte laut, und für einen kurzen Moment wollte Thomas einfach nur schreien. Seine Wut war vorhin wie ein wilder Sturm durch das Wohnzimmer gefegt, als er den Brief des Architekturbüros gelesen hatte. Das Projekt, in das er sein ganzes Herzblut, unzählige Nächte und all seine Ideale gesteckt hatte, war kurz vor…

  • Die Kerzen am Baum brannten ruhig, doch in Stellas Herz herrschte die fassungslose Stille nach dem Einsturz. Draußen legte sich der Schnee wie ein sanfter Mantel über die Welt, drinnen starrte sie auf das Display ihres Telefons. Keine liebevolle Sprachnachricht erhellte diesen Heiligabend. Stattdessen hallten die Worte nach, die Michael ihr vor 5 Monaten entgegengeworfen…

  • Der Wind peitschte eisige Flocken gegen das Fenster der kleinen Hütte hoch oben auf den Klippen. Unten im Tal funkelten die Lichter des Dorfes, bereit für den Weihnachtsabend. Doch hier oben saß Arthur allein im Halbdunkel. Auf dem Holztisch lag ein alter Brief – die Kündigung seiner Firma nach einem schmerzhaften Jahr des Scheiterns. Ein…

  • In dem kleinen, verschneiten Dorf Silberthal stand die Zeit im Winter still. Die Welt draußen verblasste unter einer dicken Decke aus Schnee, im obersten Raum des alten Uhrenturms schlug das Herz des Dorfes. Hier wohnte Jolas, der Sternenweber. Seine Lebensaufgabe war es, das Licht der Wintersterne einzufangen und in gläserne Christbaumkugeln zu gießen. Doch in…

  • Der Wind peitschte die eiskalten Ostseewellen gegen die Hafenmauer von Alt-Sande, als Elias die alte Petroleumlampe am Fenster entzündete. Es war der vierundzwanzigste Dezember. Draußen tanzten dicke Schneeflocken im fahlen Licht der Straßenlaternen. Drinnen war es warm, es duftete nach Zimt, Tannengrün und frisch gebackenen Plätzchen. Der Tisch war für zwei Personen gedeckt. Genau wie…

  • Im festlich erleuchteten Speisezimmer des alten Herrenhauses roch es nach Zimt, Entenbraten und teurem Wein. Es war Heiligabend. Am Kopf der langen Tafel saß Leonore. Die Familie nannte sie seit jeher respektvoll, aber auch mit einer gewissen Erwartungshaltung, die „Löwin“ der Familie. Sie hielt das Fundament der Gemeinschaft zusammen, besaß unerschöpfliche Langmut und ein großes…

  • Der Tiefenstrom der Heilung Das flackernde Licht der Adventskerze war das Einzige, was der Dunkelheit in Stellas Wohnzimmer trotzte. Draußen peitschte ein eisiger Dezemberwind dicke Schneeflocken gegen die Scheiben, doch der wahre Wintersturm tobte in ihrem Inneren. Ihre Gedanken rasten, während eine bleierne Schwere ihre Glieder lähmte. Das festliche Leuchten der Welt da draußen, der…

  • Das Klirren des schweren Silberbestecks auf dem Meissener Porzellan war das einzige Geräusch, das den Speisesaal erfüllte. Es war ein Rhythmus, den Jonas seit seiner Kindheit kannte. Präzise, kalt, unerbittlich. Er saß am langen Eichentisch, genau in der Mitte, gefangen zwischen den Generationen. In der Mitte des Tisches prachtvoll arrangiert: die Weihnachtsgans, perfekt drapiert, umgeben…

  • Der unendliche Hafen Du fragst dich in stummen Nächten, wenn der Zweifel an der Seele bricht: Was war falsch an all den guten Mächten, warum schenkt der Himmel mir kein Licht? Du hast deine ganze Kraft gegeben, alles riskiert und niemals weggeschaut, wolltest nur ein wahres, freies Leben, hast auf falschem Fundament gebaut. Warum gehen…

  • Am Abgrund der Seele Erst an der Klippe, nah dem tiefen Fall, wird uns das Spiel der Masken offenbart. Ein Stoß, ein Halt – im leisen Widerhall erkennen wir, wer Freund und Feind einst war. Vom Sieg berauscht, im Schiffbruch tief verletzt, durchschritt das Ich die Fluten von Gewinn und Schmerz. Was uns im Innern…

  • Der stumme Gast

    Der stumme Gast Das Feuer flammt, das Feuer gellt, wenn Wut durch deine Adern bricht. Ein Sturm, der laut in Trümmer fällt, ein Blitzschlag mitten ins Gesicht. Du schreist es raus, du weinst dich leer, der Atem bebt, die Seele brennt. Doch legt sich bald das wilde Meer, wenn man den Schmerz beim Namen nennt.…

  • Das Echo der Seele Wir suchen oft im Außen das Phantom, verwechseln Glanz mit echtem Lebensfeuer, wir treiben hilflos mit dem Massenstrom und nennen Liebe, was uns lieb und teuer. Der schöne Schein, des Status stolzer Rang, sind Masken nur, die uns im Kreis bewegen. Oft treiben Angst und Einsamkeitszwang in Netze, die wir blind…

  • Der Bruch, der heilt Ein stummes Reißen bricht durch deine Brust, was gestern trug, wird heute dir zur Last. Du hältst noch fest, erfüllt von Schmerz und Frust, an einer Welt, in die du längst nicht passt. Der Schmerz ist laut, er brennt in jeder Schicht und zeigt dir klar, wo deine Grenze liegt. Noch…