Seelenwelten von Dana Stella Schuhr


Autor: Dana Stella Schuhr

  • Die Wintersonne versank wie eine glühende Orange im Tyrrhenischen Meer. Sie tauchte die pastellfarbenen Häuser von Scilla, einem uralten Fischerdorf an der kalabrischen Küste, in ein warmes, goldenes Licht. Der Duft von frischen Bergamotten und reifen Zitronen lag in der salzigen Abendluft. Es war der Tag vor Heiligabend. In den engen, treppenreichen Gassen von Chianalea,…

  • Der eisige Dezemberwind jagte Marco durch die festlich beleuchteten, aber unpersönlichen Flure des gläsernen Bürogebäudes. Seine Schritte hallten stumm auf dem Marmor. In seiner Hand hielt er den neuen Vertrag: Partner der Kanzlei. Die nächste kalte Krone seiner Karriere. „Nur noch dieses eine Projekt, Marco“, hatte er jahrelang zu sich selbst gesagt. „Dann hast du…

  • Der Duft von gebrannten Mandeln und schwerem Eisen Der Schnee schluckte die Geräusche der Stadt, doch im Inneren des Antiquariats „Cassandra“ schien die Stille eine ganz andere Qualität zu haben. Es war der Abend des 23. Dezember. Draußen eilten Menschen mit vollgepackten Tüten vorbei, getrieben von der hektischen Pflicht des Festes. Drinnen saß Gerald hinter…

  • Ein Abend voller Frost Der Duft von Zimt und Tannennadeln lag schwer im Wohnzimmer, doch die Luft zwischen Liane und Julius war eisig. Es war Heiligabend. Auf dem Tisch brannte die vierte Kerze, hell und warm, ein krasser Gegensatz zu Julius‘ Stimme. „Du ruinierst jedes Fest, Liane“, sagte er, ohne sie anzusehen. Er rückte die…

  • Klang aus der Asche Der Wind trieb an diesem Jupitertag dicke Schneeflocken durch die engen Gassen der Altstadt. In der kleinen, warmen Werkstatt von Nathan roch es nach Bienenwachs, Zimt und altem Holz. Er war Geigenbauer, ein Mann der leisen Töne. Seit Monaten lebte er in einem Zustand, den er selbst „Frieden“ nannte. Seine Verlobte,…

  • Der Wind trieb feine Schneeflocken gegen die Fensterscheiben des kleinen Antiquariats am Marktplatz. Drinnen war es kühl, fast so kalt wie die Winternacht draußen. Martin saß am massiven Eichentisch, umgeben vom fahlen Licht einer einzelnen Lampe. Vor ihm lagen die Kassenbücher des Jahres. Goldene Zahlen waren es nicht. Doch es war nicht die Sorge um…

  • Das Echo der Einheit Einst waren wir eins, ein leuchtendes Ganzes, verbunden im Rhythmus des ewigen Tanzes. Kein Mangel, kein Sehnen, kein einsamer Schmerz, ein einziger Schlag war das menschliche Herz. Doch Zeus, voller Zorn über menschliches Streben, zerteilte das Glück und das einige Leben. Er schuf aus dem Ganzen zwei einsame Teile, getrennt durch…

  • Der Wind trieb dichte Schneeflocken gegen die Scheiben des großen Forsthauses, doch drinnen verflog das Schweigen in einem warmen, lebendigen Stimmengewirr. Max und Hanna brauchten keine Kirche, um gläubig zu sein. Sie brauchten keinen Pfarrer, der ihnen von Liebe und Barmherzigkeit predigte – sie lebten diese Werte jeden einzelnen Tag, indem sie sich bedingungslos um…

  • Der Heilige Abend lag über der Stadt, doch im Wohnzimmer der Bergers herrschte klirrende Kälte. Nicht, weil die Heizung gestreikt hätte. Es war die Stille. Eine Stille, die Daniel wie ein Donnerhall in den Ohren dröhnte. Auf dem Küchentisch lag nur ihr Ehering. Daneben ein Zettel mit zwei Worten: Ich gehe. Daniel starrte auf das…

  • Der Schnee fiel in dichten, schweren Flocken auf die Windschutzscheibe, als Sven den Motor ausschaltete. Neben ihm saß Dana, ihre Finger hielten die Hand ihrer sechsjährigen Tochter Mila so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Vor ihnen lag das hell erleuchtete Elternhaus von Sven – das Haus, in dem er seine Kindheit verbracht hatte. Ein…

  • Das kleine Bergdorf Tiefenwald schmiegte sich wie ein vergessenes Nest in ein enges, verschneites Tal, umgeben von majestätischen, tiefgrünen Wäldern. Klaus’ Werkstatt lag ein wenig abseits am Dorfrand, direkt am Fuße eines sanften Hügels. Es war ein altes, wettergegerbtes Gebäude aus massivem Lärchenholz. Der Duft von frischen Kiefernspänen, Bienenwachs und dem rauchigen Holzofen im Inneren…

  • Der Schnee schluckte jedes Geräusch, als Jasmina die alte Holztür zum Gewächshaus öffnete. Drinnen roch es nach feuchter Erde, vertrocknetem Thymian und Kälte. Sie zündete eine kleine Laterne an. Ihr Licht fing die tanzenden Staubkörner in der Luft ein. Jasmina setzte sich auf eine umgedrehte Holzkiste. Sie zog die Knie an die Brust. Draußen, im…

  • Der Schnee lag wie eine dicke, schweigende Decke über der kleinen Stadt, als Markus die Tür seines Antiquariats abschloss. Er war ein Mann mit wachen, gütigen Augen, in denen sich die Geschichten von tausend gelesenen Büchern widerzuspiegeln schienen. Für die Menschen in der Nachbarschaft war er seit Jahren ein Fels in der Brandung. Doch am…

  • Der Duft von Zimt, gebrannten Mandeln und Tannengrün lag über dem kleinen Weihnachtsmarkt, doch für Marietta fühlte sich die Welt an wie aus dickem Glas. Ein stummer, schmerzhafter Orkan tobte in ihrer Brust. Sie starrte auf ihr Telefon. Eine Nachricht von Stefan. „Ich liebe dich, Schatz. Bin spät dran. Wartest du am Brunnen?“ Es war…

  • Der Wind trieb dicke, weiße Flocken durch die engen Gassen der Altstadt. Es war Heiligabend. Während überall in den Fenstern die Kerzen erstrahlten, herrschte im Dachgeschoss des großen Logistikunternehmens „Vogel & Söhne“ eisige Stille. Christian Vogel stand am Fenster, das Telefon ans Ohr gepresst. Seine Augen fixierten die leuchtenden Zahlen auf dem Monitor. „Wir müssen…

  • Der Hamburger Dezemberwind drückte den kalten Regen gegen die Fensterscheiben von Bellas Küche. Es war der Tag vor Heiligabend. Drüben im Wohnzimmer lief der Fernseher; ihr Mann saß schweigend im Sessel. Nach über 31 Jahren Ehe war das Haus zwar voll von Erinnerungen, aber leer an Worten. Die Kinder – ihre beiden Söhne und die…

  • Der Schnee schluckte jedes Geräusch. Robert stand am Fenster seiner Altbauwohnung und blickte auf die hell erleuchteten Fenster der Nachbarn. Es war Heiligabend. Früher war dieser Tag voller Lachen, dem Duft von Zimt und dem warmen Licht, das Marina in jeden Raum gebracht hatte. Marina war die „Versorgerin seiner Seele“ gewesen. Als sie vor einem…

  • Der Duft von Zimt, Tannengrün und gebrannten Mandeln lag schwer über dem Marktplatz von Altenbrück. Überall lachten Menschen, schoben sich dicht gedrängt an den hell erleuchteten Holzbuden vorbei und tranken heißen Punsch. Es war der Abend des vierzehnten Dezembers. Mitten in diesem bunten Treiben stand Nick. Er trug einen dicken, grauen Mantel, hatte die Hände…

  • Der Duft von gebrannten Mandeln und Tannengrün lag über dem Marktplatz von Winterberg, doch in der kleinen Glasbläserwerkstatt blieb es dunkel. Drinnen saß die 34-jährige Greta an ihrer Werkbank. Vor ihr stapelten sich farblose Glaskugeln – perfekt gearbeitet, aber ohne Glanz. Seit Jahren fertigte Greta nur noch schlichten Weihnachtsschmuck. Früher war sie für ihre „Seelenkugeln“…

  • Es war Heiligabend. Der Wind peitschte eisigen Regen gegen die Fensterscheiben des kleinen Uhrmacherladens von Paul. Eigentlich sollte heute Schnee liegen. Eigentlich sollten die Glocken feierlich klingen. Doch der Himmel weinte graue Tränen. Paul saß an seiner Werkbank, den Kopf in die Hände gestützt. Vor ihm lag eine kostbare, alte Spieluhr. Sie gehörte der kleinen…