Die Kerzen am Baum brannten ruhig, doch in Stellas Herz herrschte die fassungslose Stille nach dem Einsturz. Draußen legte sich der Schnee wie ein sanfter Mantel über die Welt, drinnen starrte sie auf das Display ihres Telefons. Keine liebevolle Sprachnachricht erhellte diesen Heiligabend. Stattdessen hallten die Worte nach, die Michael ihr vor 5 Monaten entgegengeworfen hatte: Er könne ihren Ansprüchen nicht gerecht werden.

Dabei hatte sie sich nie mehr gewünscht als Ehrlichkeit. Kein glitzerndes Geschenk, nur das ehrliche Wort eines Seelenverwandten.

Vor knapp einem Jahr war er noch wie ein Jäger leiser Sehnsucht in ihr Leben getreten. Er hatte die Mauern um ihr Herz zum Schmelzen gebracht, süßer als jeder Weihnachtzauber. Sie hatten von einer lebenslangen, innigen Freundschaft geträumt, trotz der Kilometer zwischen ihren Familien, trotz der großen Ferne. Doch als die Nähe zu tief wurde und das Licht der Wahrheit auf seine eigenen inneren Schatten fiel, fror seine Wärme ein.

Nun, mitten im Fest der Liebe, spürte Stella die bittere Kälte seiner Degradierung. Vom „Schatz“ war sie herabgestuft worden zu einer fahlen, lauwarmen Bekanntschaft. Ein Gast, der an der Schwelle seines Lebens im Frost stehen gelassen wurde.

Stella trat an das Fenster. Der Schnee glänzte im Mondlicht. Tränen trübten ihre Sicht, doch mitten in diesem tiefen, fassungslosen Schmerz geschah etwas in ihrem Inneren. Sie blickte auf den hölzernen Couchtisch, auf dem ein frisch gedrucktes Buch lag. Ein edler Einband, auf dem in goldenen Lettern der Titel glänzte: SEELENWELTEN.

Ein warmes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Das schönste Geschenk dieses Jahres stammte nicht von ihm – sie hatte es sich selbst bereitet. Die Veröffentlichung ihres wunderschönen und tiefsinnigen Gedichtebands in diesem Jahr war ihr ganz persönlicher Triumph über die Dunkelheit.

Sie strich sanft über das Cover. In diesem Moment wusste sie tief in ihrer Seele, dass ihr niemand ihre andere große Liebe jemals wegnehmen konnte: Das Schreiben ihrer eigenen Gedichte und Geschichten. Michael hatte sich zurückgezogen, doch ihre Worte blieben. Ihre Kreativität war eine unerschöpfliche Quelle, die keine Distanz und keine Angst einfrieren lassen konnte.

„Ich kann nicht als Bettlerin vor dir stehen“, flüsterte sie in die Winternacht.

Sie packte die Erinnerungen an ihn nicht mit Wut weg, sondern mit einer traurigen, reinen Dankbarkeit für das, was einst hell erstrahlt hatte. Die Liebe zu ihm blieb im Raum stehen wie der Duft von Tannengrün, doch das Vertrauen war lautlos wie eine Schneelawine in sich zusammengebrochen. Sie würde sich nicht mit einer lauwarmen Bekanntschaft begnügen, nur um ab und zu in seiner Nähe verweilen zu dürfen. Sie würde sich nicht selbst verlieren.

Stella schloss die Augen und legte ihre Hand auf ihr noch Schmerzendes Herz. Es würde Jahre brauchen, um diese Wunde ganz zu heilen. Der Traum von ihm war vorbei, doch das Erwachen zu ihrer eigenen Kraft hatte begonnen. Sie war keine Bettlerin um Liebe – sie war die Schöpferin ihrer eigenen Welten. Ihr Herz blieb heilend seiner Liebe nah, bis es sich mit neuem Mut und neuen Zeilen vereinte.

In dieser heiligen Nacht ging sie ihren Pfad in Frieden weiter. Sie war keine Bettlerin um Liebe mehr – sie war die Schöpferin ihrer eigenen Welten. Ihr Herz blieb heilend seiner Liebe nah, bis es sich mit neuem Mut und neuen Zeilen vereinte. Es war das Fest, an dem Stella beschloss, ihr eigenes Herz zu beschützen und ihre eigene Wahrheit in die Welt zu schreiben.

Noch nie sah sie schöner, kraftvoller und würdevoller aus als in diesem Moment – bevor sie aus ihrem Arbeitszimmer mit einem Lächeln zu ihrer Familie ins Weihnachtszimmer eilte.

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

💜

Ich liebe es in jeglicher Form
kreativ zu sein …
Mein Motto ist: einfach mal machen!


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