Der Morgen danach Die Nacht war kurz, der Wecker schrillt, er schleppt sich müde ins Quartier, wo sein geliebter Spiegel hängt –das Richterpult für’s Raub-Getier. Er mustert kritisch sein Gesicht, schiebt Kinn und Brust nach vorn mit Schwung. Die Zinnen sind nun wieder weich, er sucht nach einer Rechtfertigung. Er kämmt das Haar, kneift Augen…
Sehnsucht ohne Recht Bittersüßes, wildes Brennen, Herzens Sehnsuchtsmelodie! Niemals will ich mich getrennen, fortgeben werd‘ ich sie nie. Klagelied in schweren Zeiten, das mein Leben vorwärts treibt. Sollte es von dannen gleiten, weiß ich, dass mir gar nichts bleibt. Mag das Stechen mich zerreißen, macht es doch die Welt erst schön. Will dich meine Liebe…
Das ungelöste Band Was wir für uns einst mutig gaben, was wir verloren, nie erreicht, woran wir uns im Sturm erlaben, was uns verließ, das Herz erweicht. Was wir in uns verzweifelt suchten, was wir erfanden, voller Gier, was wir ersehnten und verfluchten, bebebt in mir, verklingt in dir. Was wir als Willen in uns…
„Rückblickend hat mir das Leben nicht immer das gegeben, was ich wollte. Aber erstaunlich oft genau das, was ich brauchte. Manche Enttäuschung entpuppte sich erst Jahre später als Segen, und manche geschlossene Tür führte mich auf einen Weg, den ich freiwillig nie gewählt hätte – der sich jedoch als der richtige erwies.“ Mein Kindheitstraum war…
Das Märchen vom leeren Strom Ein Schneesturm tobt, die Welt wird weiß, man raunt vom „Schwindel“, spricht von Eis. „Wenn alle Räder elektrisch sich drehen, wird bald die Welt im Stau vergehen! Kein Funke mehr, die Heizung kalt, ein Grab aus Stahl im Winterwald.“ Man malt sich aus: Das GPS erlischt, die letzte Hoffnung wird…
Der Verwalter der Asche Du hast das Feuer gegen Frost getauscht, weil dir vor meiner Größe graust. Du wolltest keine Frau, die wahrhaft liebt- du wolltest kalten Halt, ein stumpfes Echo, das im Haus verhallt. Ich war die Spitze, du die tiefste Angst, die nun in Ketten um ihr Überleben bangt. Du nennst es Treue,…
Wenn die Lunge bricht Was keine Autoimmun-Krankheit schaffte, ist das, was nun die Lunge raubt. Ich huste mir die Seele aus, vom Schmerz der Sinne fast beraubt. Ich werde wach zu jeder Stunde, doch du schläfst tief, bist ungerührt. Du schnarchst vor laut vor dich hin, Runde um Runde, während mein Körper … den Abgrund…
Die Königin der eigenen Nacht Mit sieben Jahren kam das fremde Land, ein Koffer voller Angst in kleiner Hand. Aus Kroatien fort, zur Mutter hin, die kaum noch wusste, wer ich für sie bin. Vier Kinder waren für die Jungen schwer, das Haus war voll, das Herz oft öd und leer. Als Älteste trug ich…
Das Bleiben Kein Weichen mehr. Ein harter Kern. Ein schweres Meer. Ein kalter Stern. Die Frage bohrt. Der Sturm reißt fort. An jedem Ort. Dein festes Wort. Kein Ende nah. Kein sanfter Schluss. Was eben war. Im Überfluss. Du bist der Fels. Du bist die Flut. Im Pelz des Wels‘. In deiner Wut. Ein wilder…
Fernweh der Seele. Ein bittrer Sog. Ein hohler Raum. Was uns betrog, ein goldner Traum. Das Ufer fern. Das Wasser tief. Ein kalter Stern, der nachts mich rief. Kein Ankommen. Kein Hafenlicht. Vom Schmerz benommen, der niemals bricht. Das Herz wird weit. Man dehnt sich aus. In Einsamkeit: Kein Weg nach Haus.
Flügelschlag Ein schweres Schloss. Ein rostig Band. Vom hohen Ross auf festem Land. Die Fessel bricht. Der Käfig klafft. In neues Licht, aus eigner Kraft. Kein Müssen mehr. Kein fremder Takt. Das Feld, so leer, wird neu gepackt. Das Herz wird weit. Man atmet ein. In Seligkeit: Nur einfach sein.
Wendezeit Ein alter Grund. Ein Riss im Sein. In dieser Stund’ bricht Neues ein. Die Mauer fällt. Der Anker bricht. In and’re Welt fällt nun das Licht. Kein Halten mehr. Kein „Wie es war“. Das Feld, so leer, wird plötzlich klar. Das Herz wird weit. Man wagt den Sprung. In Ungewissheit: Die Wandlung, jung.
Einlassen Ein tiefer Atem. Ein offner Blick. Vom harten Schatten kein Schritt zurück. Das Gestern ruht. Die Faust wird weich. Mit neuem Mut ins Friedensreich. Kein Zwang, kein Müssen. Kein „Warum“. In stillem Wissen, beredt und stumm. Das Herz wird weit. Man lässt nun los. In Ewigkeit: Die Welt ist groß.
Stillstand Ein tiefes Ja. Ein letztes Weh. Was fern, was nah, im Flockenschnee. Der Widerstand. Das laute Flehn. In eigner Hand das Weitergehn. Kein Kampf mehr nun. Kein „Hätt ich doch“. Im stillen Tun das Leben noch. Das Herz wird weit. Man nimmt es an. In Gelassenheit: Ein neuer Bann.
Das Urteil Kein Stahl, der bricht. Kein Blut, das flieht. Es ist das Licht, das dich verrät. Du suchst die Hand, die dich erstach. Ein Band verbrannt. Ein Herz, das brach. Kein Feind, kein Grimm, kein fremder Neid. Ein Freund. Sein Sinn. Deine Ewigkeit. Die Kälte siegt. Die Welt wird Stein. Wer liebt, der liegt.…
Das Pfand Ein Wort, ein Blick. Ein fester Griff. Kein Weg zurück. Das Herz am Riff. Du schließt die Sicht. Du reichst die Hand. Ein falsches Licht. Ein brüchig Pfand. Wer glaubt, der baut auf dünnem Glas. Wer sich vertraut, erntet den Hass. Die Mauer fällt. Der Abgrund lacht. Vertrauen hält nur bis zur Nacht.
Das ewige Eis Ein Schwur im Licht. Ein Kuss wie Gift. Das Herz zerbricht, wenn Wahrheit trifft. Du gabst dein Sein, er nahm den Rest. Nun bist du allein, hältst Trümmer fest. Kein Morgen mehr, kein Wort, das heilt. Das Herz ist leer, vom Schmerz zerteilt. Die Liebe stirbt, doch bleibt die Pein. Was dich…
Das hohle Echo Kein Laut im Haus. Kein Schritt im Flur. Das Licht ist aus. Keine Spur. Du rufst den Namen, doch Antwort schweigt. Verwelkt sind Samen, die du gezeigt. Die Mauer wächst. Der Raum wird weit. Du bist verhext von Ewigkeit. Kein Du, kein Wir. Nur Glas und Stein. Das Jetzt und Hier gehört…
Der innere Fraß Kein Feind von fern. Kein Schlag von Hand. Im eignen Kern entbrennt der Brand. Die Zelle meutert. Das Fleisch wird fremd. Nichts wird geläutert. Nichts wird gehemmt. Ein dumpfer Druck. Ein stechend Licht. Mit jedem Schluck das Mark zerbricht. Du bist der Wirt. Du bist die Kost. Das Blut verwirrt. Es nagt…
Der Ruhepol Ein fester Grund. Ein Haltepunkt. In dieser Stund’ das Herz, das ruht. Der Kopf ganz weit. Das Herz im Flow. Von Angst befreit im Lichterloh. Du stehst im Licht. Du bist bei dir. Die Last zerbricht im Jetzt und Hier. Ein tiefer Schlaf. Die Stille spricht. Das Ende schläft –es heilt das Licht.