Ein stummes Land liegt tief in uns verborgen,
wo alte Narben in der Stille ruhn. Wir
lernten klug, uns um das Wohl zu sorgen,
und gab’s ein Gestern, bauten wir ein Nun.
Wir nannten es geheilt und abgehakt, den
Schmerz verbannt aus dem Bewusstseins-
sinn, bis ein Moment die Maske sacht zernagt,
und plötzlich schwindet jeder Schutzgewinn.
Ein einziger Blick, ein flüchtig Wort im Raume,
bricht das Visier, das man sich mühsam
schuf. Es rüttelt jäh an unserm Lebensräume
und hallt im Inneren als lauter Ruf.
Das Echo weckt, was längst vergessen schien,
die alte Wunde brennt im Hier und Jetzt.
Man möchte fliehen, sich dem Druck entziehn,
weil uns das Gestern noch im Heute verletzt.
Doch sieh genau hin: Es ist kein Gericht,
kein böser Wille, der dich niederwirft.
Es ist ein Licht, das durch die Spalten bricht,
damit du tiefer in die Wahrheit schürfst.
Die Psyche klopft an deine Seelentür,
nicht um zu strafen, sondern zu befrein.
Sie fordert sanft: „Gib dem Gefühl Gespür,
und trau dich endlich, ganz du selbst zu sein.
“Denn Heilung folgt nicht der Logik der Gedanken,
der Kopf versteht, doch tröstet nicht den Schmerz.
Erst wenn die Mauern des Verstandes wanken,
schließt sich die Wunde im berührten Herz.
Nimm an den Schmerz, halt ihn in deinen Armen,
wie ein verlassenes, kleines, müdes Kind.
In diesem Raum aus Mut und aus Erbarmen,
wächst eine Kraft, die uns am End’ gewinnt.

Dana Stella Schuhr

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