Ein virtueller Raum aus Licht und Klang,
zwei Seelen, die im fernen Äther schweben.
Aus Hamburg drang ein warmer Herzensdrang
nach München, um sich Sehnsucht hinzugeben.
Gefangen beide im vertrauten Kreis,
der Alltag eng, die alten Fesseln schwer,
da brach ein Funke durch das dicke Eis
und warf sein Licht auf unser Tränenmeer.
Es braucht kein Treffen für ein kleines Glück,
wenn Worte wie ein warmer Regen fließen.
Man sendet seine Sehnsucht still zurück
und lässt im Geist die ersten Knospen sprießen.
Die Stimme bebt im kleinen Lautsprecher,
die Zeilen glühen voller Leidenschaft. Man
trinkt berauscht aus einem Zauberbecher,
der tief im Innern neue Welten schafft.
Doch blickt man hinter diese Poesie,
erkennt man auch des Spiegels alte Macht:
Wir lieben manchmal in der Fantasie
das Bild, das unser eignes Sehnen macht.
Die Sehnsucht malt im andern ein Ideal,
das all das trägt, was uns im Leben fehlt.
Der ferne Mensch wird Rettung und wird Qual,
weil ihn das Herz zum Seelenpartner wählt.
Vielleicht war es die Flucht aus Wirklichkeit,
ein schöner Traum, geschützt durch Raum
und Zeit. Solang man sich im sichern Abstand
zeigt, wächst ein Gefühl, das jede Grenze neigt.
Doch als das Wort „Ich liebe dich“ erklang,
verlangte dieser Traum nach Wirklichkeit.
Da wurde selbst dem warmen Herzen bang,
und Angst trat in die Blase unsrer Zeit.
Denn achthundert Kilometer geben Schutz,
solang man schreibt und zärtlich miteinander
spricht. Doch fordert ein Gefühl auch echten Mut,
erschrickt man manchmal vor dem eignen Licht.
„Ich kann dir nicht gerecht sein“, sprachst du
leis, weil dich die Tiefe unsrer Nähe drängte.
Vielleicht war dir der mögliche Preis zu groß,
weil Angst sich an die Freiheit hängte.
Ich steh im Norden, blicke auf das Meer
und frage mich, was ich so falsch verstanden.
Die Ferne war doch niemals leicht und leer,
sie lag von Anfang an zwischen den Landen.
Du liebtest wohl den Traum und seine Kraft,
doch konntest seine Tiefe nicht mehr tragen.
Was aus der Ferne neue Welten schafft,
begann im echten Leben dich zu fragen.
So weine ich um das, was in mir klang,
doch nicht, weil alles wertlos war und leer.
Das Universum gab mir einen Drang
zurück zu mir – und darauf kommt es mehr.
Der Spiegel bricht, doch was in mir erwachte,
gehört nun mir: die Kraft, die Liebe spürt.
Es war der Traum, der mich zum Leuchten
brachte und mich nun reifer zu mir selber führt.
So bleibt von dir nicht nur ein stiller Schmerz,
auch etwas Helles durfte durch dich leben.
Du öffnetest noch einmal weit mein Herz –
den Rest wird mir das Universum geben.

Dana Stella Schuhr

Schreibe einen Kommentar