Nicht nur die Stunde, die im Flug enteilt,
nicht nur das Schicksal, das im Dunkeln weilt,
nicht, was dein Aug’ und Ohr dir flüsternd weist –
du bist viel mehr, als je dein Denken weiß.
Kein leeres Blatt, verloren im Geäst,
das man im Wind allein und einsam lässt.
In deiner Tiefe ruht ein goldner Kern, dein
Herz der Kompass und der Geist dein Stern.
Aus kluger Tat und reifem Sinn gewebt,
hast du dein eignes Dasein selbst belebt.
Du liest nicht nur im Buch aus fremden Händen,
du kannst als Schöpfer selbst die Seiten wenden.
Du führst die Feder durch den Weltenraum,
hältst fest das Bild und webst den kühnen
Traum. Du führst Regie in deinem eignen Stück,
schneidest die Szenen, wendest das Geschick.
Und willst du tilgen, was dir einst geschah,
die alten Narben, immer noch so nah,
bedenk: Wär jener herbe Schmerz nicht dein,
könnt heut dieselbe Sehkraft in dir sein?
Was gäb’ es heute für dich zu verstehen, wärst
du nicht blind durch jene Nacht gegangen?
Wie könntest du so stolz im Lichte stehen,
hätt’ dich das Feuer nicht zuvor gefangen?
Das alles bist du: Schatten, Glut und Licht.
Wenn dir die Kraft im Sturme fast zerbricht,
erinnre dich der Macht, die in dir ruht:
Der Geist verwandelt Qual in neue Glut.
Was dich einst beugte, schenkt dir heute Kraft, die schöpferisch aus Schmerz das Wunder schafft. Kein Unwetter kann deinen Kern zerbrechen, denn selbst im Sturm hörst du das Leben sprechen.
Du bist die Flamme, die im Dunkeln brennt,
ein Fundament, das keinen Abgrund kennt.
Aus tiefstem Schmerz hast du das Licht
entfacht, das nun als Sieger über Stürme lacht.

Dana Stella Schuhr

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