Der Duft, gefangen im Kristall,
die Kerze, unberührt und kalt –
wir sparen auf den großen Knall,
indem das Heute stumm verhallt.
Wir warten auf ein fernes Licht,
das erst im Morgen uns erscheint.
Doch morgen spricht das Leben
nicht, wenn heute jede Stunde weint.
Am Horizont, im Abendrot, liegt
Kalabrien, mein Sehnsuchtsort.
Wo wilder Jasmin Düfte bot,
zieht mich ein tiefer Glaube fort.
Dort, wo die alten Oliven stehen,
im Wind, der nach Tyrrhenia schmeckt,
will ich im Geiste weitergehen,
wo Sonne deine Haut erweckt.
Die Klippen stürzen steil ins Blau,
die Wellen schlagen ihren Takt.
Ich weißt es im Gedanken genau,
wie mich die wilde Schönheit packt.
Doch ich warte nicht, bis alles passt,
um dieses Glück im Geist zu spüren.
Ich lass ab von meiner Wartelast,
beginne, die Sehnsucht anzurühren.
Hole mir den Süden in den Raum,
zünd an das Licht, trag meinen Duft.
Leb nicht erst morgen meinen Traum,
atme schon jetzt die warme Luft.
Denn dieses Meer, das mich dort fängt,
beginnt in meiner eigenen Brust.
Wer jeden Traum auf morgen drängt,
hat dieses Heute nie gewusst.
Der Tag ist jetzt, die Stunde fliegt,
Kalabrien wartet nicht im Staub.
Wer heute in den Armen liegt,
dem schenkt das Leben seinen Raub.
Ein Hauch von gelbem Zitronenhain,
nach dem die Seele sehnsüchtig ruft,
bricht durch den grauen Alltagsschrein
und füllt den Raum mit Sommerduft.

Dana Stella Schuhr

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