Der Ruf des Schattens

2 Minuten

Im gold’nen Kelch der Lebensstunden
trinkt sich der Geist am Glücke satt, und
eh’ das Herz den Schmerz empfunden,
treibt es wie ein verlornes Blatt.

Im Lichte lässt sich trefflich schweigen,
wo kein Warum die Ruhe bricht,
doch in des Daseins buntem Reigen
erwacht die Kraft des Denkens nicht.

Erst wenn des Winters scharfe Klauen
das weiche Polster jäh zerfleddern,
beginnt der Mensch sich selbst zu
schauen inmitten von Gewitter wettern.

Das Leid ist kein Tyrann der Erde, der
nur Vernichtung in sich trägt, es
fordert, dass der Suchende werde,
was tief als Funke in ihm schlägt.

Wer aber stumm im Dunkel nistet
und nur auf Zeit als Heilerin hofft,
der hat sein Leben falsch gefristet,
verliert die eigne Wahrheit oft.

Die Zeit heilt keine tiefen Wunden,
sie legt nur sanften Schorf aufs Weh;
die Freiheit wird erst dann gefunden,
wenn ich dem Schmerz ins Auge seh’.

Wie eitel sind die bunten Welten,
die uns als Fluchtort hold erscheinen!
Wo Masken statt der Wahrheit gelten,
bleibt uns am Ende nur das Weinen.

Das Zudecken der dunklen Stunden
löscht nicht die Glut, die unten brennt,
und keine Seele hat gesunden,
die ihre Abgründe verkennt.

So wird der Schmerz zum herben Segen,
zum Kompass in der Geisternacht.
Er zwingt uns auf die steilen Wege,
wo uns das lichte Denken wacht.

Denn erst wo alle Stützen brechen
und uns die alte Richtung trügt,
beginnt das Schicksal klar zu sprechen,
bis sich der Geist der Wahrheit fügt.

Gereift im Feuer harter Tage,
tritt nun die Seele in das Licht;
sie meidet fortan keine Frage,
weil sie an Krisen nicht zerbricht.

Der Schmerz war nur die raue Hülle,
die uns den Weg zur Einsicht wies,
auf dass sich nun in weiser Stille
der Sinn des Lebens neu erschloss.

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

💜

Ich liebe es in jeglicher Form
kreativ zu sein …
Mein Motto ist: einfach mal machen!


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