Der Blick verliert sich im Ur-Meer,
In stummes, tiefes Wellenheer.
Du liegst im Traum von Sorgen rein,
es treibt das Es im puren Sein.
Was ich in deinen Zügen seh’, ist
Lind’rung für mein Chronos-Weh.
An meinem Leib, so dicht an dicht,
sucht mein Komplex dein mattes Licht.
Die Hand, von nassem Sand benetzt,
hat sanft den Widerstand verletzt.
Sie zieht mich hin zum Lippenpaar,
wo einst mein Schatten furchtsam war.
Wer bist du, Bild aus Schaum und
Gischt? Das sich im Dämmerlicht ver-
wischt? Bist du mein ungeliebtes Teil,
suchst du im Traum der Spaltung Heil?
Du spiegelst mir, was ich verlor,
und hebst den schweren Riegel vor.
Ein Seelengeist, der Anima gleicht,
der schüchtern meine Kälte erweicht.
Der Sand an deiner zarten Hand
ist Triebgut aus dem Schattenland.
Du rührst an Sehnsucht, alt und tief
ie lang in Kellerschächten schlief.
Doch Archetypen schwinden sacht,
wenn das Bewusstsein wieder wacht.
Der Sonne letzter Strahl versinkt,
weil mich das Ich ins Wachsein zwingt.
Das Licht, das mir das Herz getaut,
wird von der Abwehr jäh beraubt.
Die Zensur greift nach unserm Bund,
verschlingt den weiten Meeresgrund.
Bevor die Ganzheit sich verflicht, zer-
bricht das Traumbild im Gericht. Ich
spür’ den Hauch, das Herz wird schwer:
Das Über-Ich duldet dich nicht mehr.
Das Licht erlischt, die Nacht ent-
fleucht –Ich wach’ im kalten Ego auf.
Doch trägt der Tag nun deine Spur,
es weicht die starre Ich-Zensur.
Was mir im Schlaf das Herz getaut,
wird nun im Wachsein aufgebaut.
Der Schatten weicht, die Anima bleibt,
weil Licht den inneren Nebel treibt.
Ich schließe Frieden mit dem Schmerz,
die Traumgestalt zieht in mein Herz.
Du bist kein Trugbild mehr im Meer,
Du machst mein wahres Selbst erst leer –
Du füllst mein Sein mit neuem Sinn,
das falsche Ich ist nun besiegt,
ich weiß nun, wer ich wirklich bin,
weil sich die Seele an dich schmiegt.

Dana Stella Schuhr

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