Vom ersten Schrei, im väterlichen Hause,
wächst tief im Kind ein Ur-Vertrag heran.
Man sucht den Schutz in jeder Lebenspause
bei denen, deren Blut im eigenen rann.
Doch Reife fordert einen neuen Schritt,
wenn du das Nest für deine Liebe verlässt:
Du nimmst die Ahnen als Geschichte mit,
doch hältst den neuen Kreis im Arme fest.
Wenn jener Tisch, an dem du einst gesessen,
die Eigne Frau, das eigne Kind verneint,
dann hat der alte Stamm ein Recht vergessen,
das dich im Innersten mit ihnen eint.
Ein stummer Blick, ein kränkendes Vergehen,
das deine Liebsten auszugrenzen droht –
hier musst du aufrecht wie ein Felsen stehen,
denn diese Grenze ist dein Schutzgebot.
Es blutet oft das Kind in deiner Brust, das alte
Treue nicht verletzen will. Doch wahrer Schutz
verlangt das klare Bewusstsein: Hier brennt
dein Herd, und alles andre schweigt still.
Setz dich an keinen Tisch, der sie verachtet,
und wär’ es auch der Tisch, der dich gebar. Wer
deine Neuschöpfung als mindere betrachtet,
entweiht das Höchste, was dir heilig war.
Die Wiege, die du selber hast gezimmert,
steht über jener, die dich einst gewiegt.
Erst wenn dein Schutzschild bedingungslos
schimmert, hat reife Liebe über Angst gesiegt.
Bleib treu dem Nest, das du vorausgesehen,
sei ihrer Würde stolzer, fester Wächter. Nur
wer bereit ist, vom Altar zu gehen, baut wahre
Brücken für die nächsten Geschlechter.

Dana Stella Schuhr

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