Ein letzter Gruß auf leisem Papier, ein Herzschlag,
der im Wind verweht. Träfe ich morgen im Einst-
mals dich hier, wenn sich das Rad der Zeiten dreht:
Ich würde mich für das Schweigen entscheiden…
kein Wort soll trennen, kein Laut uns entzweien.
Nur Atmen. Nur Spüren. Im Licht und im Leiden.
Zwei Seelen, die sich im Schweigen befreien.
Wie zwei Wellen, die heimlich im Ozean fließen…
ohne Ruf, ohne Namen, im Tiefblau vereint.
Wir würden die Augen im Dunkeln verschließen,
weil uns im Inneren dasselbe Licht scheint.
Ein stummes Verstehen, ein blindes Vertrauen…
das keine Beweise und Schwüre vermisst. Wir
müssten kein Haus auf der Erde mehr bauen,
weil Heimat dort ist, wo du atmend mir bist.
Träfe ich dich neu im ewigen Kreis…
ich bäte das Schicksal, mein Auge zu blenden. Weil
ich um den Schein dieser Welt jämmerlich weiß,
will ich dich nicht messen mit irdischen Händen.
Ich will deinen Kern ohne Schleier berühren…
das Leuchten der Seele, das niemals verblasst.
Dich blind durch den Sturm uns’rer Sehnsucht
zu führen, weil mein Herz deine Tiefe in Ehr-
furcht erfasst. Wie die Wurzel des Baumes…
die Erde umschließt, unsichtbar, tief und
von Kräften durchdrungen, so ist es die
Liebe, die durch uns fließt, so- als hättest
du mich schon vor Zeiten besungen.
Kein Vorhang aus Vorurteil, Neid oder Zeit kann
trüben, was rein aus dem Herzen entspringt.
Ein ewiger Respekt vor der Unendlichkeit,
der uns im Geheimen zusammen zwingt.
Und schließt sich der Kreis ein allerletzt‘ Mal,
will ich gern verzichten auf Jahre und Zeit.
Was nützt mir das Leben im irdischen Tal,
ohne die Wiege deiner Geborgenheit?
Lass mich an dein Herz meine Stirn sachte
betten, im Schoße des Trostes, wo Ängste
vergehn. Ein letzter, gemeinsamer Atemzug
rettet uns rüber ins Licht, wo wir ewig bestehn.
Doch dieser Atemzug ist nicht das Ende, er
ist nur die Pforte, das Tor in den Morgen. Wir
reichen uns lächelnd die seelischen Hände,
im sicheren Wissen: Wir bleiben geborgen.
Kein Tod bricht das Band, das uns unsichtbar
webt, kein Abschied löscht aus, was unsterblich entbrannt. Weil jeder Gedanke an dich in mir lebt,
gehn wir Hand in Hand durch das neue, helle Land.
Denn blind ist das Auge, doch sehend der Geist,
im tiefsten Vertrauen, das Welten zerreißt. Die Einsamkeit schwindet, das Dunkel flieht weit –
unsere Liebe erwacht in der Ewigkeit!

Dana Stella Schuhr

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