Seelenwelten von Dana Stella Schuhr


Kategorie: Geschichten

  • Der Wind trieb dichte Schneeflocken gegen die Scheiben des großen Forsthauses, doch drinnen verflog das Schweigen in einem warmen, lebendigen Stimmengewirr. Max und Hanna brauchten keine Kirche, um gläubig zu sein. Sie brauchten keinen Pfarrer, der ihnen von Liebe und Barmherzigkeit predigte – sie lebten diese Werte jeden einzelnen Tag, indem sie sich bedingungslos um…

  • Der Heilige Abend lag über der Stadt, doch im Wohnzimmer der Bergers herrschte klirrende Kälte. Nicht, weil die Heizung gestreikt hätte. Es war die Stille. Eine Stille, die Daniel wie ein Donnerhall in den Ohren dröhnte. Auf dem Küchentisch lag nur ihr Ehering. Daneben ein Zettel mit zwei Worten: Ich gehe. Daniel starrte auf das…

  • Der Schnee fiel in dichten, schweren Flocken auf die Windschutzscheibe, als Steven den Motor ausschaltete. Neben ihm saß Jana, ihre Finger hielten die Hand ihrer sechsjährigen Tochter Mila so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Vor ihnen lag das hell erleuchtete Elternhaus von Steven – das Haus, in dem er seine Kindheit verbracht hatte. Ein…

  • Das kleine Bergdorf Tiefenwald schmiegte sich wie ein vergessenes Nest in ein enges, verschneites Tal, umgeben von majestätischen, tiefgrünen Wäldern. Klaus’ Werkstatt lag ein wenig abseits am Dorfrand, direkt am Fuße eines sanften Hügels. Es war ein altes, wettergegerbtes Gebäude aus massivem Lärchenholz. Der Duft von frischen Kiefernspänen, Bienenwachs und dem rauchigen Holzofen im Inneren…

  • Der Schnee schluckte jedes Geräusch, als Jasmina die alte Holztür zum Gewächshaus öffnete. Drinnen roch es nach feuchter Erde, vertrocknetem Thymian und Kälte. Sie zündete eine kleine Laterne an. Ihr Licht fing die tanzenden Staubkörner in der Luft ein. Jasmina setzte sich auf eine umgedrehte Holzkiste. Sie zog die Knie an die Brust. Draußen, im…

  • Der Schnee lag wie eine dicke, schweigende Decke über der kleinen Stadt, als Markus die Tür seines Antiquariats abschloss. Er war ein Mann mit wachen, gütigen Augen, in denen sich die Geschichten von tausend gelesenen Büchern widerzuspiegeln schienen. Für die Menschen in der Nachbarschaft war er seit Jahren ein Fels in der Brandung. Doch am…

  • Der Duft von Zimt, gebrannten Mandeln und Tannengrün lag über dem kleinen Weihnachtsmarkt, doch für Marietta fühlte sich die Welt an wie aus dickem Glas. Ein stummer, schmerzhafter Orkan tobte in ihrer Brust. Sie starrte auf ihr Telefon. Eine Nachricht von Stefan. „Ich liebe dich, Schatz. Bin spät dran. Wartest du am Brunnen?“ Es war…

  • Der Wind trieb dicke, weiße Flocken durch die engen Gassen der Altstadt. Es war Heiligabend. Während überall in den Fenstern die Kerzen erstrahlten, herrschte im Dachgeschoss des großen Logistikunternehmens „Vogel & Söhne“ eisige Stille. Christian Vogel stand am Fenster, das Telefon ans Ohr gepresst. Seine Augen fixierten die leuchtenden Zahlen auf dem Monitor. „Wir müssen…

  • Der Hamburger Dezemberwind drückte den kalten Regen gegen die Fensterscheiben von Bellas Wohnzimmer. Sie saß am weissen, rechteckigen Chippendale-Esstisch, welcher mit einem wunderschönen mediterranen Weihnachtsgesteck geschmückt war. Um ihn herum standen acht weiße gepolsterte Stühle mit hohen Rückenlehnen. Vor Bella stand eine große Tasse mit Cappuccino. Es war der Tag vor Heiligabend. Wie jeden Tag…

  • Es war kein lauter Knall gewesen. Kein bitterer Streit und kein Betrug. Ihre Trennung war ein leises, schleichendes Entfremden. Über die Jahre hinweg hatten Marina und Robert verlernt, sich gegenseitig wirklich zu sehen. Jeder lebte in seiner eigenen Welt, und am Ende war da nur noch ein stummes Auseinanderleben. Als sie den Schlussstrich zogen, fühlte…

  • Der Duft von Zimt, Tannengrün und gebrannten Mandeln lag schwer über dem Marktplatz von Altenbrück. Überall lachten Menschen, schoben sich dicht gedrängt an den hell erleuchteten Holzbuden vorbei und tranken heißen Punsch. Es war der Abend des vierzehnten Dezembers. Mitten in diesem bunten Treiben stand Nick. Er trug einen dicken, grauen Mantel, hatte die Hände…

  • Der Duft von gebrannten Mandeln und Tannengrün lag über dem Marktplatz von Winterberg, doch in der kleinen Glasbläserwerkstatt blieb es dunkel. Drinnen saß die 34-jährige Greta an ihrer Werkbank. Vor ihr stapelten sich farblose Glaskugeln – perfekt gearbeitet, aber ohne Glanz. Seit Jahren fertigte Greta nur noch schlichten Weihnachtsschmuck. Früher war sie für ihre „Seelenkugeln“…

  • Es war Heiligabend. Der Wind peitschte eisigen Regen gegen die Fensterscheiben des kleinen Uhrmacherladens von Paul. Eigentlich sollte heute Schnee liegen. Eigentlich sollten die Glocken feierlich klingen. Doch der Himmel weinte graue Tränen. Paul saß an seiner Werkbank, den Kopf in die Hände gestützt. Vor ihm lag eine kostbare, alte Spieluhr. Sie gehörte der kleinen…

  • Der kalte Dezemberwind trieb dicke Schneeflocken durch die Gassen von Weidenbach. Die Schaufenster glänzten im warmen Schein der Lichterketten, und die Menschen eilten lachend, schwer bepackt mit bunten Geschenkpaketen, aneinander vorbei. Mittendrin stand Michael. Er spürte die Kälte nicht nur auf den Wangen, sondern bis tief in seiner Seele. Michael war Ingenieur. Er baute Autos.…

  • Der Wind peitschte den trockenen Pulverschnee durch die engen Gassen der Altstadt. Es war der einundzwanzigste Dezember. Überall leuchteten die Fenster in warmem Gold, und Menschen eilten mit bunt verpackten Paketen aneinander vorbei. Sie lachten, trugen glitzernde Taschen und verloren sich im funkelnden Schein des Weihnachtsmarktes. Mittendrin stand Helena. Sie zog den Kragen ihres Mantels…

  • Der Wind peitschte den eisigen Schnee durch die engen Gassen von Altenbrück. Es war Heiligabend. Während überall in der Stadt die Fenster in warmem Glanz erstrahlten und das Lachen von Familien durch die Straßen hallte, blieb ein einziges Gebäude am Marktplatz vollkommen dunkel: die alte Werkstatt von Johann. Johann starrte auf das weiße Papier. Er…

  • Für Elisa fühlte sich dieser Dezember an wie eine Ewigkeit aus Eis. Die Worte des alten Gedichts, das sie einst in einem staubigen Buch gefunden hatte, waren zu ihrer bitteren Realität geworden: „Ohne dich erbleicht das Feld, weit und leer wird mir die Welt.“ Nach einer schmerzhaften Trennung im Spätherbst, bei der ihr klar geworden…

  • Draußen tanzten die Schneeflocken wild um die Kuppel des Petersdoms, doch in Marios kleiner Altstadtwohnung in Rom schien die Zeit stillzustehen. Alles war bereit für den Heiligen Abend. Auf dem Tisch stand eine edle, handgegossene Kerze – unberührt und kalt. Daneben lag ein schwerer Flakon aus geschliffenem Kristall, der einen kostbaren Duft gefangen hielt. Mario…

  • Der weihnachtliche Ball der Agentur war ein Meer aus glitzernden Kleidern, Champagnergläsern und lautem Lachen. Julian stand am Rand der Tanzfläche, im perfekten Smoking, das Glas erhoben. Er funktionierte, lächelte und spielte die Rolle des erfolgreichen Mannes. Doch in Wahrheit trieb er nur hilflos mit dem Massenstrom mit. Er spürte eine tiefe, winterliche Kälte in…

  • Elias war genau zehn Minuten älter als seine Schwester Selina. Schon als Kleinkinder im kleinen Bergdorf teilten die beiden eine unsichtbare, aber unerschütterliche Verbindung. Elias war der ruhige Pol, der Beobachter, der die Welt in Linien und Formen wahrnahm. Selina hingegen war ein kleiner Wirbelwind. Sie brachte das Leben zum Tanzen, dachte sich ununterbrochen Geschichten…