Im Schattenfall der Abendstunden,
wenn leise jeder Lärm verhallt,
wird jede Erdenlast entbunden,
die tief im Herzen widerhallt.
Ein Blick hinauf zum Weltenbogen,
wo stumm der Weltenwächter wacht,
die letzten Wolken sind verzogen
und weben Schleier für die Nacht.
Was uns hier band an Raum und Schwere,
wird dort zu feinstem Sternenstaub,
als ob es nie von Bedeutung wäre –
verweht wie längst vergangnes Laub.
Es winkt ein Pfad aus reinem Schweigen,
der sacht durch Nebelmeere führt,
wo sich die lichten Wesen neigen,
weil eine Seele Heimweh spürt.
Aus Friedenslicht die Hallen ragen,
kein Schmerz durchbricht die sanfte Ruh’.
Vorbei das Weinen und das Klagen,
die Ewigkeit deckt alles zu.
So schließ’ ich leis’ die müden Augen,
der Atem wird zum Hauch so leer.
Bereit, den Frieden aufzusaugen,
bin ich kein Erdenwanderer mehr.
Nun öffnet sich das goldne Tor,
das frei von jedem Riegel steht.
Ein Chorgesang dringt sanft hervor,
der leise durch die Hallen weht.
Vergessen ist der Erde Kleid,
der Geist bricht auf zum großen Flug,
geborgen in der Ewigkeit –
ein letzter, tiefer Atemzug.

Stella Schuhr ⭐

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