Er trat ins Haus, ein Sieger nach der Schlacht,
In Händen Wein und Rosen, rot wie Blut. „Hör
zu, mein Schatz, ich hab es weit gebracht!“ –
Sein Stolz brannte wie lodernde Feuerglut.
In seinem Kopf nur Zahlen, Aufstieg, Macht,
Der wichtigste im Spiel der Eitelkeit. Er sah
nicht, dass in ihr die dunkle Nacht schon
längst nach ihren müden Händen greift.
Sie saß im Schatten, tief im Samt versunken,
Ein stilles Eiland fern von seinem Lärm. Vom
süßen Kelch des Sieges war er trunken, und
hielt die Welt in seinem starken Arm.
„Lass uns zum Feiern in die Stadt nun gehen!“
Sie nickte nur: „Mir ist es einerlei.“ Er wollte
ihre Reglosigkeit nicht sehen, der Jubel in
ihm war zu laut, zu frei..Er nahm ihre Hand…
sie fühlte sich wie Glas, so zerbrechlich unter
seinem festen Griff. „Ich freu mich“, sprach sie
leise, fast erblasst, „Du steuerst nun als Kapitän
dein Schiff. Du hast doch für diesen Tag gekämpft.
Wie viel an Lebenszeit hat’s uns geraubt?“ Doch
ihre Stimme klang wie abgedämpft, als hätte sie
an Zeit schon längst nicht mehr geglaubt. Viele
Jahre – ein hastiger Galopp, Kein Kinderspiel…
kein Garten, kaum ein Freund. Die Karriere war
ihr Gott, der nächste Job War wichtiger als das,
was man gemeinsam träumt. Beim Kerzenschein,
in trauter Zweisamkeit, Sprach er von Zukunft…
Ernte und vom Glück: „Jetzt haben wir für Haus
und Kinder Zeit, wir blicken nie mehr in den
Mangel zurück.“ Doch ihre Wangen waren
feucht und bleich, die Worte fielen schwer…
wie kalter Stein.„Ich war in jener Klinik
heute, reich an Ängsten – und ich war dort
ganz allein.Nun, weiß man was mich quält,
man fand den Grund.“ Er lachte fast:
„Was hilft? Was ist der Plan? Wird man durch
Pillen wieder ganz gesund? Sag an, was man
für dich dort machen kann!“.Sie holte Atem,
rang mit dem Verstand, die Tränen zeichneten…
ihr bleiches Angesicht. Ein tiefer Abgrund
klaffte an der Wand, wo eben noch das
goldne Hoffnungslicht. „Es gibt kein Haus,
kein Kind, kein Später mehr, die Sanduhr…
ist gelaufen, fast am Ziel. Der Weg zurück
ist für mich viel zu schwer, und für die
Zukunft ist es nun zu viel.“ „Ich werde
bald sterben“, hauchte sie ins Leere …
„Ich wartete so lange auf dich, auf unser
Sein. Nun bleibst du hier mit all der Last
und Schwere, und gehst den Rest des
Weges ganz allein.“ Er schrie es weg, er…
wollt’ es nicht verstehen, er fluchte gegen
Schicksal.und die Welt. „Das kann nicht
sein! Das darf nicht so geschehen! Wo
ist der Preis für all mein saures Geld?“
„Sechs Monate“, sprach sie, „vielleicht ein Jahr,
Der Feind in mir wächst unaufhaltsam, still.“
In seinen Augen wurde alles leer und klar,
Weil Gott es wohl jetzt anders haben will.
Der Wein im Glas war plötzlich bitterkalt,
Das Fest der Freude wurde zum Exil.
In jenem Raum verlor er jeden Halt,
Der Tumor siegte … und dann war es still.

Dana Stella Schuhr

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