Der Kreis der Stille

2 Minuten

Der Zerfall der Farben

Der Himmel ist ein Tuch aus hartem Glas,
die Sonne nur ein kalter, blasser Schein.
Im Herzen welkt das junge, grüne Gras,
und jeder Atemzug wird stumm zum Stein.

Die Welt ist laut, doch ich bin längst schon
taub, ein Schatten nur im Mahlwerk dieser
Zeit. Die Träume fallen ab wie welkes Laub,
und was noch bleibt, ist nackte Einsamkeit.

Kein Ufer mehr, das meine Seele hält,
der Horizont ist eine enge Wand. Ich
stürze aus der Ordnung dieser Welt und
such’ das Schweigen hinterm Lebensrand.

II. Die Frequenzstörung

Ein Lachen bricht die Luft wie buntes Glas,
doch ich fang’ seine Splitter nicht mehr auf.
Ich steh’ im Strom, die Blicke werden blass,
die Welt nimmt ihren lärmend’ Fortlauf.

Sie tanzen nah, ein fremder Rhythmus
schlägt, ich spüre wohl das Beben unter
mir. Doch was den Raum so voller Leben
trägt, findet kein Echo, keine Tür in mir.

Ich bin ein Sender ohne Antwortsignal, ein
Gast am Tisch, der keine Sprache spricht.
Inmitten ihrer Farben, hell und grell und
zahl, bin ich nur das Fehlen von Gewicht.

III. Das Pixel-Eis

Ein blaues Leuchten frisst den Raum der Nacht,
das Fenster zur Welt ist nur ein Rahmen aus Licht.
Wir haben das Schweigen zur Botschaft gemacht,
doch das Glas kennt kein Echo, es spiegelt dich nicht.

Tausend Stimmen ziehen lautlos vorbei, ein
Wischen, ein Tippen – die Berührung bleibt leer.
Wir schwimmen im Strom, doch wir sind nicht frei,
zwischen uns liegt ein endloses, gläsernes Meer.

Die Hand auf der Scheibe, die Sehnsucht
wird taub, hinter der Maske aus Pixeln und
Schein. Was wir uns teilen, ist digitales Staub –
verbunden mit allen, und doch ganz allein.

IV. Der sanfte Kreis

Ich schließe die Tür und der Lärm bricht ab,
wie ein Buch, das man endlich beendet. Was
die Welt mir an Unruhe und Forderung gab,
wird an der Schwelle zur Stille gewendet.

Kein Blick, der mich misst, kein Wort, das mich
zwingt, die Wände sind Arme aus weichem Licht.
Wo sonst nur das Echo der anderen klingt,
bekommt mein eigenes Schweigen Gewicht.

Ich ordne die Scherben, die draußen sind
entstanden, und lege die Maske behutsam bei-
seite. Im sicheren Hafen, im Innern gelandet,
finde ich in der Enge die unendliche Weite.

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

💜

Ich liebe es in jeglicher Form
kreativ zu sein …
Mein Motto ist: einfach mal machen!


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