
Widmung
Für alle meine Lieben in Kroatien ❤️ Auch wenn ich hier in Hamburg lebe und schreibe, ihr seid immer in meinem Herzen: Sretan Božić svima zajedno!— Zvjezdana, Dana Stella ⭐
Vorwort: Rovinj – Ewigkeit aus Stein
(Ein Gedicht)
Wo Adria-Wellen an Mauern brechen,
die von Venedigs Glanz noch sprechen,
steigt die Altstadt, stolz und grau,
empor aus tiefem Insel-Blau.
Ein Labyrinth, in Stein gehauen,
dem man darf heut‘ noch blind vertrauen,
wenn jeder Schritt auf glattem Grund
tut tausend Jahre Gestern kund.
Die Kirchenkuppel, hoch und weit,
erzählt von Euphemias Leidenszeit,
der Turm, der fest im Winde steht,
während ein Kuss durch Gassen weht.
In Torbögen, die Schatten werfen,
beruhigt das Meer die müden Nerven,
wenn Gold das alte Mauerwerk bricht
im letzten, zarten Abendlicht.
Ein Erbe, das die Zeit besiegt,
in dem unsterbliche Liebe in den Steinen liegt.
Durch den Balbi-Bogen, stolz und schwer,
tritt man ins Gestern, nah am Meer.
Der Markuslöwe wacht im Stein,
lädt in die Geschichte Istriens ein.
Hier, wo Venedigs Erbe ruht,
spiegelt sich Glanz in der Adriaflut.
Am Hafen wiegen Boote sacht,
bereit für die sternenklare Nacht.
Wir sitzen nah am Wasserrand,
ein Glas voll Wein, Hand in Hand.
Die Masten klirren leise Lieder,
die Liebe findet sich hier wieder.
Von Mauern, die seit Ewigkeiten stehen,
lässt man den Blick zum Horizont gehen.
Vergangenheit und Herzschlag pur –
Rovinj ist Lebensfreude nur.
Die Geschichte
Es war der vierundzwanzigste Dezember in Rovinj. Die geschäftigen Sommergäste, die im Juli und August das dichte Gewirr der engen Gassen füllten, waren längst fort. Über der Halbinsel lag jene magische, tiefe Stille, in der die Stadt ganz sich selbst gehörte. Die sonst von der Sommersonne erhitzten, spiegelglatten Steingassen schimmerten im sanften, warmen Licht der weihnachtlichen Straßenlaternen wie nasser Samt. Ein feiner, salziger Wind strich von der tiefblauen Adria herauf, fegte durch die jahrhundertealten Torbögen und trug die kühle Frische des Winters in die alte Seefahrerstadt.
In einer kleinen, behaglich erwärmten Küche unweit der berühmten Künstlergasse Grisia stand Branka. Ihre Hände waren von der harten Arbeit eines langen, erfüllten Lebens gezeichnet, doch ihre Augen strahlten dieselbe unbändige Lebendigkeit aus wie das Meer an einem klaren Frühlingsmorgen. Während sie den Teig für die traditionellen Fritule – die kleinen, feinen kroatischen Weihnachtskrapfen mit Rosinen und mit einem guten Schuss hausgemachtem kroatischem Raki (Lozovača) oder Rum – vorbereitete, summte sie eine Melodie vor sich hin.
Es war das uralte kroatische Weihnachtslied „Radujte se narodi“ (Freut euch, ihr Völker). Ihre Stimme war leise, aber voller Heimatwärme, und die Melodie schien perfekt mit dem gleichmäßigen Knistern des Eichenholzes im alten Ofen zu harmonieren. Behutsam ließ sie die kleinen Teigbällchen in das heiße Öl gleiten, wo sie sogleich zischend aufgingen und eine wunderschöne, goldbraune Farbe annahmen.
Ihr Enkel Luka saß am schweren Holztisch und beobachtete seine Großmutter mit einem zärtlichen Lächeln. Mit seinen 26 Jahren hatte er in der Hauptstadt Zagreb gerade erfolgreich sein Architekturstudium abgeschlossen und arbeitete nun in einem renommierten Büro, wo er moderne Gebäude entwarf. Doch so sehr er die klaren Linien von Glas und Stahl im Beruf schätzte – die jahrhundertealten, von Wind und Wellen geschliffenen Steine seiner Heimatstadt Rovinj blieben für sein Herz die vollkommenste Architektur der Welt.
„Baka“, sagte er leise und atmete tief den Duft von Zimt, geriebener Zitronenschale und süßem Teig ein, „die ganze Stadt riecht nach deinen Fritule. Ich bin mir sicher, sogar unten am Hafen schnuppern die Fischer schon in die Luft und wissen ganz genau, dass sie fertig sind.“

Branka hielt in ihrer Bewegung inne, legte den hölzernen Kochlöffel beiseite, drehte sich zu ihm um und lachte ein herzliches, tiefes Lachen, das die Küche mit noch mehr Wärme erfüllte. Sie wischte sich die bemehlten Hände an ihrer Schürze ab, stützte sich mit beiden Armen auf den Tisch und sah Luka mit einem Blick an, der viel zu wachsam war, als dass ihm ein Detail entgehen könnte. Ihr Gesicht nahm diesen typischen, liebevoll-verschmitzten Großmutter-Ausdruck an.
„Das ist das Geheimnis von Rovinj, mein Lieber“, sagte sie und strich ihm über die Wange. „Unsere Stadt wurde auf hartem Stein erbaut, aber im Winter, da wird dieser Stein weich. An Weihnachten tragen die engen Gassen den Duft der Heimat und die Liebe von Haus zu Haus. Man kann sich hier gar nicht einsam fühlen, selbst wenn man es darauf anlegen würde. Aber sag mal, Luka … du bist jetzt sechsundzwanzig, ein erfolgreicher Architekt in der großen Stadt, zeichnest den ganzen Tag schöne Häuser – aber wann baust du endlich an deiner eigenen Zukunft? Erzähl deiner alten Baka nichts. Sitzt du an Heiligabend wirklich nur wegen meinen Krapfen hier, oder gibt es in Zagreb jemanden, der deine Entwürfe Korrektur liest? Hm? Hat mein schöner Enkel keine Freundin, die er mir vorstellen möchte?“
Luka spürte, wie ihm die Wärme bis in die Haarwurzeln stieg. Er räusperte sich, rückte auf seinem Stuhl zurecht und versuchte, einen unbeteiligten Blick aufzusetzen, was ihm gründlich misslang. „Baka, ich … die Arbeit im Architekturbüro fordert gerade einfach extrem viel Zeit. Die Projekte, die Fristen, die Präsentationen …“
„Pah, Fristen!“, winkte Branka lachend ab und stupste ihn sanft an der Nase an. „Die Liebe kennt keine Fristen, Junge! Ein Haus ohne Liebe ist nur ein kalter Haufen Steine.“
Luka lächelte kapitulierend, holte tief Luft und schaffte es nicht länger, das Geheimnis, das ihm schon den ganzen Tag ein Herzklopfen bescherte, für sich zu behalten. „Na gut, du hast ja recht. Es gibt da tatsächlich jemanden. Ihr Name ist Elena. Sie arbeitet als Denkmalpflegerin – sie liebt alte, geschichtsträchtige Steine fast noch mehr als ich. Und eigentlich … eigentlich wollte ich es dir erst heute Abend erzählen: Elena hat sich gestern in Zagreb in den Bus gesetzt. Sie kommt nach Rovinj, Baka! Sie müsste jeden Moment unten am Hafen ankommen.“
Brankas Augen weiteten sich vor ungläubiger Freude, und sie schlug entzückt die Hände zusammen. „Elena! Was für ein wunderschöner Name. Eine Denkmalpflegerin für unseren Architekten – das hat der Himmel doch persönlich so gewollt! Warum sitzt du dann noch hier herum? Hilf mir lieber, den Badnjak bereitzumachen, und dann holen wir sie ab!“
Luka nickte glücklich und deutete auf den großen, sorgsam ausgewählten Eichenholzscheit, der neben dem Kamin auf seinen großen Auftritt wartete. Nach jahrhundertealter kroatischer Tradition war es die wichtigste Aufgabe am Heiligen Abend, diesen Weihnachtsscheit – den Badnjak – vorzubereiten.

„Er ist perfekt getrocknet, Baka“, sagte Luka stolz. „Ich habe ihn gestern noch einmal gebürstet. Und Opa wartet draußen am Hafen sowieso schon ungeduldig auf uns.“
„Dann los!“, schmunzelte Branka. Sie schüttete die dampfenden, goldgelben Fritule in eine große Schüssel, bestreute sie großzügig mit einer dicken Schicht Puderzucker und wickelte sich ihren dicken, dunkelroten Wollschal um die Schultern.
Gemeinsam traten sie hinaus in die kühle, sternenklare Winternacht. Ihr Weg führte sie durch die verwinkelten Gassen hinab zum Hafen. Der Boden war vom feinen Tau der Adria feucht und spiegelte das warme Licht der Festbeleuchtung wider, als ginge man über flüssiges Gold. Am Pier angekommen, sahen sie die hölzernen Batana-Boote, die sich sacht im dunklen Wasser wiegten. Ihre Masten klirrten leise im Rhythmus der Wellen, als würden sie ein eigenes, weihnachtliches Lied für die Stadt singen.
Dort stand Stjepan, Brankas Ehemann seit fast fünfzig Jahren. Seine alte Seemannsmütze war tief in die Stirn gezogen, die Hände hatte er tief in den Taschen seiner wetterfesten Jacke vergraben. Doch er war nicht allein. Neben ihm stand eine junge Frau mit langen, dunklen Locken, einer eleganten Brille, einem warmen Lächeln und einer großen Reisetasche auf den Steinen: Elena. Stjepan hatte sie anscheinend sofort als Lukas Besuch erkannt und war bereits in ein herzliches Gespräch über die venezianischen Fassaden der Stadt vertieft.
„Da sind ja meine Sterne!“, rief Stjepan aus und winkte mit seinen großen, rauen Händen. „Und schaut mal, wen ich hier am Busbahnhof direkt am Hafen aufgelesen habe! Sie stand da und bewunderte den Balbi-Bogen im Mondlicht.“

Luka trat vor, seine Augen leuchteten, und er schloss Elena glücklich und fest in die Arme. „Schön, dass du da bist“, flüsterte er in ihre Locken. Elena erwiderte die Umarmung erleichtert nach der langen Fahrt. Branka trat sogleich hinzu, schloss die junge Frau mütterlich in die Arme, ohne ein langes Fremdeln, und reichte ihr sofort eine noch dampfende Fritule. „Willkommen in Rovinj, mein Kind. Iss, das wärmt die Seele nach der Reise.“
Elena biss hinein, und ein glückliches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Das ist der köstlichste Empfang, den man sich nur wünschen kann, Baka Branka. Danke.“
Gemeinsam schlenderten sie zu viert über den kleinen, stimmungsvollen Weihnachtsmarkt am Pier. Hier gab es keine laute, schrille Musik oder grelle Plastiklichter. Stattdessen brannten offene Feuerschalen, an denen sich die Einheimischen trafen. Der Duft von heißem Teran – dem schweren, aromatischen istrischen Rotwein, der mit Nelken, Zimtstangen und Orangenscheiben erhitzt wurde – mischte sich mit dem herben Aroma von frisch gesägtem Olivenholz. Einheimische Kunsthandwerker verkauften kleine, filigrane Krippenfiguren, die sie aus diesem Holz geschnitzt hatten. Man kannte sich, man teilte Geschichten, und überall erklang ein herzliches „Sretan Božić!“. Elena war vollkommen verzaubert von der Ruhe und der familiären Vertrautheit, die diese Kulisse ausstrahlte.
Nach dem Marktbesuch zog es die Familie hinauf in die Altstadt. Sie stiegen die steilen, glatten Steinstufen empor, vorbei an alten Torbögen, die im fahlen Mondlicht tiefe, mystische Schatten warfen, bis hinauf zur Kathedrale der Heiligen Euphemia. Auf dem großen, weiten Kirchplatz hatten die Bewohner eine lebendige Weihnachtskrippe aufgebaut. Die Figuren waren lebensgroß und mit viel Liebe zum Detail aus Holz geschnitzt, umgeben von duftendem, echtem Stroh und dem flackernden Schein Dutzender Kerzen. Die Menschen standen andächtig davor, das Gesicht dem Wind zugewandt, der hier oben weitaus kräftiger blies als unten am Hafen. Elena strich ehrfürchtig über eine alte, raue Steinmauer im Kerzenschein. „Diese Steine erzählen Geschichten von Jahrhunderten, von Glauben und von Beständigkeit“, sagte sie leise zu Luka. Er nahm ihre Hand und drückte sie sanft. „Und von Liebe“, fügte er hinzu.

Als schließlich die schweren, tiefen Glocken der Heiligen Euphemia zur feierlichen Christmette riefen, kehrten sie tief berührt in das warme Steinhaus zurück. Denn vor dem großen Weihnachtsfeuer wartete das traditionelle Heiligabend-Essen auf sie, das Branka über Stunden vorbereitet hatte: der Bakalar na bijelo (Kabeljau auf weiße Art).
Die Küche war erfüllt vom intensiven, würzigen Duft des weich gekochten, fein gestampften Kabeljaus, der mit reichlich bestem istrischen Olivenöl, viel Knoblauch und frischer Petersilie zu einer cremigen Pastete verarbeitet worden war. Branka schnitt dicke Scheiben von ihrem selbstgebackenen, noch warmen Brot ab und röstete sie leicht auf dem Ofen. Sie strichen den herzhaften Bakalar auf das warme Brot. Es war ein einfaches, aber unendlich köstliches Fastenessen, das in Istrien an keinem Heiligabend fehlen durfte. Dazu reichte Stjepan einen kühlen, spritzigen Malvazija-Weißwein.
„Das schmeckt nach Meer, nach Tradition und nach Zuhause“, schwärmte Elena, während sie und Luka sich glückliche Blicke zuwarfen.
Nach dem Essen stand das große, heilige Ritual des Abends bevor. Luka trug den Badnjak zum Kamin. Bevor er jedoch ins Feuer gelegt wurde, trat Großvater Stjepan vor. Mit einer feierlichen, fast ehrfürchtigen Miene nahm er ein Glas des schweren, roten Teran-Weins und träufelte ein paar Tropfen auf das Holz, gefolgt von einem kleinen Schuss Olivenöl – der alte, über Generationen vererbte Segen für Frieden, Gesundheit und Wohlstand im Haus.
„Auf dass dieses Haus immer warm sei, auf dass es uns beschütze und die Liebe in seinen Mauern niemals erlischt“, sprach Stjepan mit fester Stimme.
Gemeinsam legten Großvater und Enkel den gesegneten Scheit in die glühende Asche des Kamins. Es dauerte nur einen kurzen Moment, dann flackerten die Flammen hungrig und hell auf. Sie warfen ein goldenes, lebendiges Licht auf die jahrhundertealten Steinmauern des Wohnzimmers und vertrieben auch den letzten kalten Schatten der Winternacht.

Luka setzte sich auf die hölzerne Ofenbank, legte den Arm um Elena und hielt ihre Hand. Von der feierlichen Stimmung ergriffen, begann er mit seiner tiefen, klaren Baritonstimme zu singen. Es war das ehrwürdige, tief berührende Weihnachtslied „Svim na zemlji mir veselje“ (Kyrie Eleison – Allen auf Erden Frieden und Freude). Branka und Stjepan stimmten sofort mit ein, ihre reifen, leicht zittrigen Stimmen verwoben sich perfekt mit Lukas Gesang, und auch Elena summte gerührt die sanfte Melodie mit, während das Feuer im Kamin knackte.
Plötzlich, mitten in der zweiten Strophe, ertönte von draußen ein festes, energisches Klopfen an der schweren Holztür.
Stjepan hielt im Gesang inne und runzelte die Stirn. „Wer klopft denn so spät am Heiligen Abend? Die Nachbarn sind doch alle längst auf dem Weg zur Kirche.“
Luka stand auf, ging zur Tür und zog den schweren Riegel zurück. Als er die Tür öffnete, traute er seinen Augen kaum. Im fahlen Schein der Straßenlaterne standen zwei Gestalten, die dicke Wintermäntel trugen, von oben bis unten mit Schneeflocken bedeckt waren und über das ganze Gesicht strahlten: Es waren Lukas Eltern, Marina und Goran! Sie lebten und arbeiteten seit vielen Jahren in Österreich und hatten eigentlich schweren Herzens abgesagt, weil der Dienstplan in der Klinik und im Betrieb an den Feiertagen keinen Urlaub zuließ. Kaum war die Tür geöffnet, kam Minka, Baka Brankas geliebte streunende Katze, noch vor den Familienmitgliedern in die gute Stube. Alle lachten herzlich über die kleine Flitzerin, die wohl der Hunger wieder ins Haus getrieben hatte.
„Sretan Božić!“, riefen die beiden im Chor, und ihr Atem bildete kleine Wolken in der kalten Luft.
„Mama! Papa!“, rief Luka fassungslos vor Freude und schloss sie beide gleichzeitig in eine stürmische Umarmung.
Marina, Brankas Tochter, trat mit Freudentränen in den Augen in die warme Stube und schüttelte den Schnee aus ihren Haaren. „Wir haben es geschafft! Der Chef hat uns gestern Abend im allerletzten Moment doch noch freigegeben. Wir haben sofort die Koffer gepackt, sind noch in der Nacht losgefahren und haben uns durch Schnee und winterliche Straßen bis nach Rovinj gekämpft – nur um bei euch zu sein!“

Branka schrie vor Glück leise auf, vergaß ihre Kniebeschwerden, lief auf ihre Tochter zu und drückte sie und ihren Schwiegersohn Goran fest an sich. Stjepans Augen glänzten verdächtig feucht im Feuerschein, als er Goran kräftig auf die Schulter klopfte und ihm durch die Haare wuschelte. Das Haus war mit einem Schlag erfüllt von lautem Lachen, glücklichen Ausrufen, Umarmungen und einer unbeschreiblichen, lebendigen Wärme.
Als sich der erste Trubel gelegt hatte, blickten Marina und Goran staunend auf Elena, die schüchtern, aber lächelnd am Kamin stand. Luka nahm Elenas Hand und strahlte. „Mama, Papa … das ist Elena.“
Marina vergaß die Kälte der Reise sofort, trat auf Elena zu und schloss sie herzlich in die Arme. „Lukas Elena! Endlich lernen wir dich kennen. Was für ein Segen, dass wir alle hier sind.“
Nun saßen sie alle zusammen um den großen, rustikalen Holztisch – drei Generationen, vereint im Herzen von Rovinj. Branka und Elena wirbelten gemeinsam durch die Küche, um den Tisch neu zu decken. Marina und Goran bekamen sofort eine große Portion des köstlichen, warmen Bakalar, während Branka eine riesige, frische Ladung der duftenden, süßen Fritule auf den Tisch stellte. Stjepan holte stolz seine beste Flasche alten Teran-Rotwein aus dem Keller und schenkte allen, die mochten, ein, während Luka seiner Mutter und Elena heißen Hagebuttentee einschenkte.

Die Eltern erzählten lachend von ihrer abenteuerlichen Fahrt über die winterlichen Alpenpässe, während sie staunend auf die ruhige, friedliche Kulisse von Rovinj blickten. „In Österreich versinkt alles im Schnee“, sagte Goran und blickte aus dem Fenster auf die sanft schaukelnden Boote im Hafen, „aber hier … hier spürt man die Ewigkeit in den Mauern. Es ist wunderschön im Winter.“
Stjepan erhob sich langsam, hob sein Glas mit dem tiefroten Wein, blickte glücklich in die Runde seiner großen, wunderbaren Familie, hielt kurz bei Elena inne und sah schließlich seiner Branka tief in die Augen. Das Knistern des Badnjak im Kamin untermalte seine Worte.
„Auf die Steine, die uns halten“, sagte er leise, und seine Stimme zitterte ganz leicht vor tiefem Glück.
„Und auf die Liebe, die sie unsterblich macht“, ergänzte Branka sanft, trat an seine Seite und nahm seine raue Hand – es war exakt dieselbe Hand, die er ihr vor einem halben Jahrhundert in genau diesen romantischen Gassen das erste Mal gereicht hatte.
In dieser heiligen Nacht war Rovinj kein Labyrinth aus kaltem, grauem Stein. Es war das wärmste, leuchtendste und lebendigste Nest der Welt, getragen von tief verwurzelter Tradition, dem süßen Duft von Zimt und einer unvergänglichen Liebe, die keine Grenzen, keine Distanzen und keine Trennung kannte.
Kulinarischer Anhang: Baka Brankas Istrische Fritule
Damit der Duft von Rovinj auch durch deine Küche zieht, ist hier das traditionelle Rezept zum Nachbacken.

Zutaten
| Menge | Zutat |
|---|---|
| 500 g | Weizenmehl (Type 405) |
| 1 Pck. | Trockenhefe (oder 1/2 Würfel frische Hefe) |
| 250 ml | Lauwarme Milch |
| 2 Stück | Eier (Größe M) |
| 3 EL | Zucker |
| 1 Pck. | Vanillezucker |
| 1 Prise | Salz |
| 100 g | Rosinen (vorher in warmem Wasser oder Rum eingeweicht) |
| 1 Stück | Apfel (fein gerieben) |
| 1 Bio-Zitrone | (nur der Abrieb der Schale) |
| 2 EL | Kroatischer Raki (Lozovača) oder Rum (verhindert, dass die Krapfen zu viel Öl aufsaugen) |
| Zum Frittieren | Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumenöl) |
| Zum Bestreuen | Puderzucker und eine Prise Zimt |
Zubereitung
- Der Vorteig: Wenn du frische Hefe verwendest, löse sie mit 1 EL Zucker in etwas lauwarmer Milch auf und lass sie 10 Minuten gehen, bis sie schäumt. Bei Trockenhefe kannst du diese direkt mit dem Mehl vermischen.
- Der Hauptteig: Gib das Mehl, den restlichen Zucker, Vanillezucker und eine Prise Salz in eine große Schüssel. Füge die Eier, die restliche lauwarme Milch und den Raki (oder Rum) hinzu. Knete den Teig kräftig mit einem Kochlöffel oder den Knethaken des Rührgeräts durch, bis er Blasen wirft und sich elastisch vom Schüsselrand löst.
- Die Extras: Hebe den fein geriebenen Apfel, die abgetropften Rosinen und den Zitronenabrieb gleichmäßig unter den Teig.
- Gehen lassen: Decke die Schüssel mit einem sauberen Küchentuch ab und lasse den Teig an einem warmen, zugfreien Ort für etwa 45 bis 60 Minuten gehen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.
- Das Frittieren: Erhitze reichlich Pflanzenöl in einem tiefen Topf (das Öl ist heiß genug, wenn an einem hineingehaltenen Holzkochlöffel kleine Bläschen aufsteigen). Stiche nun mit Hilfe von zwei Esslöffeln (oder mit den Händen durch Drücken des Teigs durch die Faust) kleine, walnussgroße Bällchen ab und lasse sie vorsichtig ins heiße Öl gleiten.
- Goldgelb backen: Die Fritule drehen sich im heißen Öl oft von alleine um. Frittiere sie von allen Seiten, bis sie wunderschön goldbraun sind (ca. 3–4 Minuten). Nimm sie mit einem Schaumlöffel heraus und lasse sie auf Küchenpapier abtropfen.
- Das Finale: Die noch warmen Fritule großzügig mit einer Mischung aus Puderzucker und Zimt bestreuen und sofort warm servieren. Sretan Božić i dobar tek!

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