Auf weißem Thron, in kühler Ruh’,
sitzt er und schaut der Welt nicht zu.
Er fordert hochmütig und barsch,
den huldvollen Respekt vorm Arsch.
Er wähnt sich weise, hochstudiert,
hat Zeitungsblätter seziert,
und während er im Dunkeln weilt,
wird Bildung haptisch ihm zuteil.
Befreit von Last und Stoffgewand,
erwartet er die linde Hand,
die ihm das Feuilleton kredenzt,
das bald sein Antlitz matt beglänzt.
Durch Glas, das auf der Nase thront,
wird jede Zeile nicht geschont. Die
„Wahrheit“ liest er, schwarz auf weiß,
im hermetisch geschloss’nen Kreis.
Doch was der Geist im Flug erhascht,
wird von der Schwärze schnell ver-
nascht. Gespalten bleibt sein Intellekt,
vom Schwefelduft der Welt befleckt.
Ein letzter Hauch, ein tiefer Groll,
dann ist das Maß an Weisheit voll.
Er sinkt zurück ins tiefe Nichts,
fernab des lichten Angesichts.
Es knistert laut das Druckpapier,
der Denker wird zum wilden Tier.
Er faltet, wendet, presst und flucht,
weil er den Wirtschaftsteil durchsucht.
Doch ach, die Logik ist vertrackt,
wenn man so ganz im Freien nackt.
Vom kalten Keramikrand geplagt,
hat er die Weltpolitik vertragt.
Ein Spülgang tilgt des Geistes Werk, da
schrumpft zum Hügel nun der Berg.
Was eben noch als Weisheit galt,
wird rauschend in die Tiefe gewallt.
PS:
Es gibt Personen, da frag ich mich,
zuweilen, ob deren Kopf nur eine
Sicherung von ihrem Arsch ist?

Stella Schuhr ⭐

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