Wir bauen Brücken in ein fernes Land,
und nennen diese Zuflucht „Irgendwann“.
Es ist ein Ort aus Träumen und aus Sand,
auf den der Mensch erst morgen hoffen kann.
„Wenn mehr Geld da ist“, flüstert uns der Geist,
„wenn erst die wilde Flut des Alltags schweigt.“
Ein Aufschub, der uns aus dem Leben reißt,
weil sich das Glück erst bei Perfektion zeigt.
Doch während wir auf jenen Tag vertrauen,
verrinnt die Gegenwart wie feiner Sand.
Wir weigern uns, ins pure Jetzt zu schauen,
gefangen an der Zukunft starrem Band.
Wir warten, dass die Lebensstürme weichen,
und übersehen ganz in unserm Schmerz:
Das Dasein sucht nach keinen Meisterzeichen,
es schlägt genau in diesem Augenblick im Herz.
Es wohnt im Chaos ungelöster Fragen,
im Wäscheberg, in Rechnungen aus Papier.
Es bricht hervor inmitten grauer Tage,
als kurzes Lachen, unverhofft und hier.
Ein Abendrot, das fast im Dunkel schwand,
ein Wort, das leise eine Seele berührt –
das ist der Sinn, den keine Logik fand,
der uns zurück zu unsrer Wahrheit führt.
Du musst nicht warten, bis die Welt verglimmt,
und jeder Zweifel aus dem Denken weicht.
Du darfst schon heute leben, unbestimmt,
weil dich das Leben nur im Heute erreicht.
Mit klopfendem Herzen und mit klarem Blick,
nimm auch das Chaos an, das dich sanft umgibt.
Denn dieser Moment kehrt niemals mehr zurück,
es ist die Zeit, die dich im Heute liebt.

Stella Schuhr ⭐

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