Ein Gruß an das lange Leben aus Tropea, Scilla und Diamante
Ein Schritt auf Pflastersteinen, la passeggiata winkt,
wenn sanft im Abendwinde das Meer in Gold versinkt. Man geht durch steile Gassen, ganz ohne Hast und Eile, Bewegung schenkt dem Leben die schönste aller Weile.
Das tiefe Blau des Meeres, das an die Klippen schlägt, atmet man im Winde, der Salz und Heilung trägt. Die Wellen klingen leise, das Ufer murmelt sacht und fegt den Alltagskummer fort mit seiner Meeresmacht.
Hoch oben auf den Felsen liegt weiß Tropeas Pracht,
wo Santa Maria auf ihrem Throne wacht. Der Blick schweift in die Ferne, weit über Meer und Land, und lässt die Seele atmen am hohen Felsenrand.
In der cucina duftet, was frisch das Netz beschert,
wo scharfes peperoncino das Blut mit Feuer nährt.
Die rote cipolla glänzt süß im Abendlicht,
wenn man beim Blick aufs Wasser von alten Zeiten spricht.
An der Riviera dei Cedri liegt Diamantes Pracht,
wo Zitrusblüten duften in warmer Sommernacht.
Der goldne Cedro leuchtet schwer und duftend am Geäst, während ein Hauch von Frische uns la vita feiern lässt.
Am Tisch beim pranzo sitzen die Lieben Hand in Hand, die famiglia webt ein starkes, unzerreißbares Band. Man redet, lacht und scherzt, bis Einsamkeit verfliegt, weil in der Gemeinschaft das Herz den Kummer besiegt.
Basta! ruft die Stimme, wenn der Magen Sättigung spürt, weil Maß und kluger Sinn uns durch den Genuss geführt. Man kostet all die Gaben, doch kennt dabei das Maß und hört das Meer noch rauschen hinaus bis auf die Straß’.
Ein Schluck vom tiefen Cirò, der im Pokale blinkt,
während die Sonne purpurn im weiten Meere sinkt.
Salute! tönt es leise, mit Maß und Sinn getrunken,
ist man im stillen Glück des Augenblicks versunken.
Il riposo ruft am Mittag, die Welt hält inne sacht, wenn über heißen Klippen die Sonne flimmernd wacht. Vom nahen Strand her zieht ein kühler Wind entgegen, dolce far niente schenkt dem müden Geist den Segen.
In Scillas alten Gassen, wo Charybdis einst gedroht,
wiegt Chianalea leise das bunte Fischerboot.
Dort, wo die Häuser kühn am wilden Wasser stehn,
lässt sich die Kunst der Ruhe bis heute deutlich sehn.
Auf der belebten piazza, den caffè in der Hand,
schaut man hinaus aufs Wasser und weit zum fernen Strand. Amici für ein Leben, die durch die Jahre gehn, lassen uns selbst im Alter niemals einsam stehn.
So feiert man la vita, das Dasein rau und rein, an Kalabriens Küsten darf das Herz ganz bei sich sein. Die Jahre ziehn vorüber, das Meer hält uns in Schwung, la dolce vita hält das Herz bis ins hohe Alter jung.

Stella Schuhr ⭐

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