Hinter Mauern, kalt und schwer,
sinkt das Licht ins Weltenmeer. Nicht
nur der Tag bricht stumm entzwei,
auch unsere Seele geht vorbei.
Wir stehen nah im Raum der Zeit,
und sind doch Welten weit gefreit.
Das Leben quillt aus Fug und Rand,
wir bauen Schlösser in den Sand.
Belügen uns mit lautem Schein,
um nicht mit uns allein zu sein.
Wer bin ich noch, wer warst denn
du,bevor das Schweigen deckte zu?
Wir blicken starr auf buntes Glas,
vergessen ganz, wer wer einst war.
Das Abbild frisst das echte Sein,
im digitalen Widerschein.
Die Welt wird flach, der Geist wird
matt, wir blättern im vergilbten Blatt.
Wir kaufen Glück in bunten Tüten,
um Scheinbegehren zu behüten.
Der Markt ersetzt den tiefen Sinn,
wir geben uns dem Makel hin.
Der Shopping-Kreis dreht sich im Kreis,
Konsum wird uns zum Lebenspreis.
Was nützt das Wort, das laute Flehen,
wenn wir den Sinn nicht mehr verstehen?
Der Mensch dem Menschen wird zum Wind,
weil wir im Innern einsam sind.
Ein Schatten wandert durch das Haus,
und löscht das letzte Leuchten aus.
Am Ende bleibt das Nichts bestehen,
wir wollen uns nicht richtig sehen.
Das Herz wird taub, die Sicht wird trüb,
von dem, was uns als Sehnsucht blieb.
Die Gegenwart rinnt uns durchs Band,
wie tauber, kalter Wüstensand.
Die Verbindung wurde getrennt, ein
Zustand, den der Geist nun kennt.
Wir sind Monaden ohne Tür, verloren
im Vergangen-Hier.
Das Liebesreich bleibt leer und fahl,
ein Denkmal unsrer eignen Wahl.

Dana Stella Schuhr

Schreibe einen Kommentar