Frei nach der Beziehungs-Comedy von Mark Gungor.
TEIL 1: Das Geheimnis der leeren Schachtel
(Aus Sicht des Mannes)
Das Gehirn des Mannes ist ein Schrank,
voll Schachteln, sauber, blank und schlank.
Für jedes Thema, groß und klein,
gibt es ein eigenes Fach allein.
Ob Auto, Arbeit oder Geld,
er trennt es strikt in seiner Welt.
Damit kein Kistchen je zerbricht,
berühren sie sich einfach nicht.
Sucht er ein Thema, nimmt er sacht
die passende Box mit viel Bedacht.
Er spricht darüber, klar und schlicht,
und stellt sie weg – mehr braucht es nicht.
Und ganz im Keller, tief im Dreck,
da sperrt er eure Mutter weg.
Die Schwiegermutter-Box bleibt zu,
gut weggesperrt in stummer Ruh’.
Ganz anders ist der Frau Gemüt,
wo alles funkt und wild erblüht.
Ein riesiges Knäuel aus Kabelsträngen,
die kreuz und quer zusammenhängen.
Der Job hängt fest am neuen Wagen,
das Geld verknüpft mit Kindertagen.
Ein Breitbandnetz aus reinem Fühlen,
das ständig brennt in wildem Wühlen.
Weil jede Faser stark vibriert
und Emotionen transportiert,
brennt sich ein jedes Erlebnis ein –
kein Augenblick kann flüchtig sein.
Die Frau vergisst kein einziges Wort,
sie speichert alles immerfort.
Dem Mann ist manches schlicht egal,
er merkt sich Dinge kaum einmal.
Doch in des Mannes Kopf versteckt
sich etwas, das die Frau erschreckt:
Die leere Schachtel, still und klein,
in der darf gar nichts, nichts mehr sein.
Beim Angeln oder stummen Starren
kann er in diesem Raum verharren.
Die Forschung stellte staunend fest:
Er denkt an nichts, wenn man ihn lässt.
Und misst man weiter ganz genau,
bleibt es dabei – zum Graus der Frau!
Der Geist schaltet auf „Pause“ um,
er sitzt nur da, zufrieden, stumm.
Die Frau schaut zu und wird fast wild,
wenn ihn umgibt das Schweigebild.
Denn ihr Verstand steht niemals still,
weil sie das Nichts nicht fassen will.
„Was denkst du gerade?“, fragt sie sacht,
weil sie sich tausend Sorgen macht.
Er sagt: „An nichts!“, und meint es treu,
was sie erzürnt und quält aufs Neu’.
Nichts treibt sie mehr um den Verstand,
als wenn er starrt an eine Wand.
Das leere Kistchen bleibt ein Graus –
und treibt die Frauen aus dem Haus.
TEIL 2: Das wahre Chaos im Regal
(Die Antwort der Frau)
Ihr preist das Chaos im Regal
als Ordnungsmuster erster Wahl.
Doch eure Schachteln, staubig, klein,
steh’n jede für sich ganz allein.
Was nützt das Auto ohne Geld?
Was nützt der Job in eurer Welt,
wenn man die Fäden nicht verbindet
und nie den Weg zum Ganzen findet?
Wir Frauen lenken diese Welt,
weil unser Netz zusammenhält,
was ihr in kleine Boxen sperrt
und damit oft den Sinn verzerrt.
Und eure Mutter tief im Keller?
Glaubt uns, das Licht wird morgen heller!
Wer seine Schachtel nie bewegt,
hat manchen Ärger still gepflegt.
Ihr nennt es Breitband-Internet,
bei uns ist alles gut vernetzt.
Und während ihr im Dunkeln fischt,
ist bei uns alles weggewischt.
Wir merken uns das Wort, die Tat
und wissen immer guten Rat.
Wo euer Schrank im Dunkeln sitzt,
wird längst gedacht, geplant, geschwitzt.
Die „leere Schachtel“ – welch ein Traum,
ein ungenutzter, freier Raum!
Ihr nennt es stolz Meditieren,
wir nennen es: die Zeit verlieren.
Die Forscher maßen es genau:
Der Mann pennt ein, das weiß die Frau.
Beim Atmen nicht an morgen denken,
heißt nur, der Frau das Steuer schenken.
Wir schauen zu und fassen’s kaum,
das Starren in den leeren Raum.
Wir fragen uns ganz still und sacht:
Hat die Natur sich was gedacht?
„Was denkst du gerade?“, fragen wir,
ganz ohne Argwohn, glaubt es mir.
Wir prüfen nur, ob da noch Leben
im kleinen Schachtel-Schrank gegeben.
Und wenn ihr sagt: „An gar nichts, Schatz!“,
dann wissen wir, es fehlt an Platz.
Das Nichts ist keine Superkraft,
es zeigt nur, wer hier gar nichts schafft.
Denn während ihr im Nichts verweilt,
wird von der Frau die Welt geheilt.
Die Kinder, Steuern, Abendbrot –
wir retten euch aus jeder Not.
So bleibt in eurem leeren Glück,
wir holen uns die Welt zurück.
Denn ohne unser Kabelnetz
herrscht blankes Chaos statt Gesetz.
Das leere Kistchen bleibt ein Graus,
doch ohne uns läuft nichts im Haus.
Ihr braucht den Schrank, wir das System –
so bleibt das Leben angenehm.

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