Ein kleiner Hauch, so frech und
frei, pfiff auf die Sitten-Polizei.
Er schlüpfte durch die Lippenritze,
wie ein Phantom bei Sommerhitze.
Die Gattin, sonst auf Treue geeicht,
ist jäh vom Pfad der Pflicht geweicht.
Sie tauscht den Gatten, brav und
bieder, gegen fremde Liebeslieder.
Sogar das Recht verlor den Mut: Der
Cop, berauscht von Kuss und Glut,
vergaß den Handschellen-Arrest
und drückte den Ganoven fest.
Der General, sonst hart wie Stahl,
fand Disziplin nun ziemlich qual, er
bot dem Fähnrich feucht die Hand,
während der Abt die Nonne fand.
Doch wehe, wenn die Nacht verfliegt
und man im Kater-Dunst dann liegt!
Da wird der Kuss, erst wild und kühn,
zum fahlen, grauen Pflicht-Bemüh’n.
Wo Lust einst blind die Welt verzückte,
regiert nun das total Verrückte: Der
Kuss ist jetzt, man ahnt es schon – nur
noch ’ne Dienst-Anweisung mit Revision!

Dana Stella Schuhr
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