Du suchtest den Retter im Sturm der Nacht,
der Wunden schließt und das Dunkel bewacht.
Ein Du, das die innere Leere verbannt,
ein Anker im Treibsand, von Sehnsucht benannt.
Doch wer aus dem Mangel nach Bindung verlangt,
baut Brücken aus Glas, um die er dann bangt.
Der Andere wird zum Projektionsfeld der Not,
ein Retter, ein Heiler – im stummen Gebot.
Erst als das System der Illusion bricht,
fällt auf dein Versteck ein neues Licht.
Die Wunde, sie blutet, doch fordert sie
nun: Hör auf, im Außen dich auszuruhn.
Das Kind in dir weint nicht nach fremder Hand,
es sucht deine Nähe im eigenen Land. Wenn
du dich umarmst, wo es wehtut und brennt,
und deine Schattenteile beim Namen nennst…
dann schwindet der Hunger, das Reißen, die
Pflicht. Du brauchst keinen Spiegel für dein eigenes
Licht. Die Liebe wird frei von dem alten Gewicht,
weil sie nicht mehr heilen und retten verspricht.
Sie fordert dich nicht, sie lässt dich bestehen,
sie ergänzt nur, was tief schon in dir lebt.
Als autonome Welten nebeneinander gehen,
von einem reinen, freien Gleichklang bewegt.
So endet die Suche nach Rettern und Licht,
weil du dir die Antwort nun selber gibst.
Die Maske zerbricht, das Gewebe der Pflicht,
während du dich in deiner Ganzheit liebst.
Kein Klammern im Dunkeln, kein Flehen um
Halt, die Brücken aus Glas werden festes
Gestein. Die Liebe verliert ihre alte Gestalt
und fängt endlich an, einfach nur zu sein.
Zwei Flammen die brennen, doch jede für sich,
sie teilen die Wärme, doch rauben kein Licht.
Ich brauche dich nicht, um zu wissen: Es gibt mich.
Und genau darin liegt unser schönstes Gedicht.

Dana Stella Schuhr

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