Die Dialektik des Glücks

2 Minuten

Der Bund geschlossen, doch der Geist gefangen,
wo Pflichten stumm an einer Seele bangen. Es
webt die Frau das unsichtbare Sein, schenkt Raum
und Leben – und bleibt selbst im Schatten allein.

Sie gießt das Licht auf des Gefährten Bahnen,
der glücklich ruht, ohne ihr Leid zu ahnen.
Ein stummes Opfer, das den Kern verzehrt,
weil sich das Ich im Wir zu oft verhehrt.

Wie rein erscheint dagegen das Subjekt,
das frei von Fesseln seine Welt entdeckt!
Die solitäre Frau, im Geist autonom,
bricht aus dem starren, vorgegebnen Strom.

Sie tritt heraus aus jedem fremden Schatten,
baut eigne Räume, die sie nie besaßen,
und badet ganz im eignen, hellen Licht,
das keine fremde Forderung zerbricht.

Ihr Glück ist kein Vertrag, kein fremdes Pfand,
es ist ein Raum, gewachsen aus dem Sand
der eignen Freiheit, unberührt und weit,
ein stiller Tempel in der Flüchtigkeit.

Doch ist Autonomie das letzte Wort? Bleibt
dieses Licht an einem kalten Ort, wenn man
die Türen ganz und gar verschließt und
keinen Strom mehr in den andern gießt?

So öffnet sich das fensterlose Wesen, das
erst im Schutze seiner Freiheit reift. Erst
wer sich selbst im Innersten genesen, wagt
jenen Schritt, der nach dem Andern greift.

Das höchste Glück liegt nicht im bloßen Trennen,
noch im Erblinden, wenn wir uns verkennen.
Es reift im Mut, sich selbst zuerst zu wählen,
und nicht die Opfer einer Ehe zu zählen.

Wenn Licht und Schatten sich als gleich erweisen,
weil zwei Monaden umbemerkt umkreisen,
wird Partnerschaft zum philosoph’schen
Raum: Zwei freie Welten teilen einen Traum.

Doch wer im Kreisen nur Distanz verwaltet,
bleibt eine Welt, die im Vakuum erkaltet.
Erst wo die Sphären sich berührend streifen,
kann durch den Riss die echte Nähe reifen.

Ein Funke schlägt, der Schutzgitter durchbricht,
die Angst verblasst vor einem neuen Licht.
Wer sich verletzbar zeigt, verliert sich nicht,
wenn wahre Nähe starre Grenzen bricht.

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

💜

Ich liebe es in jeglicher Form
kreativ zu sein …
Mein Motto ist: einfach mal machen!


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