Das Obsidianen-Dach

1 Minute

Ein Sonnendach aus Lügenfetzen
spannt sich obsidianen schwer,
um falsche Lichter einzusetzen –
ein bleiches, künstliches Gestirn.

Es tarnt die Nacht als Schutzkapelle,
damit der Blick im Dämmern bleibt,
und jede unbarmherzige Helle
aus unsrer Komfortzone treibt.

Wie wär es wohl im nackten Lichte?
Was wartete am Horizont? Wenn
eine Hand das Dach durchbräche,
das uns so lang im Dunkel sonnt?

Ein einziger Stich in diese Seide –
und gleißend stürzt‘ der Schein
herab. Die Wahrheit traf uns wie eine
Schneide, die unsre Taten offen gab.

Doch ach, wie weich, wie lau und Leise
rinnen dieses seichte Stromgebiet.
Wir drehn uns stumpf im selben Kreise,
aus dem kein Geist nach Schöpfung zieht.

Man richtet sich im Sumpfe häuslich,
wo Trägheit uns den Mut stiehlt, und
nennt das Siechtum noch geruhsam,
weil man die Tiefe niemals fühlt.

Gleichwie das Eisen, das im Schweigen
vom roten Rost zerfressen wird, und
Teiche, die im Stillstand neigen zu
Moder, der das Quellgut würgt…

–so fault der Geist in faulen Kissen,
wenn ihn kein Sturm, kein Zweifel regt,
und stirbt an eig’nem Wohl gewissen,
weil er sich niemals fortbewegt.

Ich bin dem Kerker Joch entstiegen,
die Schwingen trugen mich empor.
Ich sah die Welt im Tiefen liegen,
die ich als Wahrheit einst schwor.

Nun weiß ich’s besser, seh die Ketten,
die sanft uns in den Schlummer wiegen.
Wer sich im seichten Schlamm will selbst
retten, wird niemals durch die Lüfte fliegen.

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

💜

Ich liebe es in jeglicher Form
kreativ zu sein …
Mein Motto ist: einfach mal machen!


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