Das Gesuch des Dieners

2 Minuten

Es sprach das Glied mit ernstem Blick:
„Ich fordere mein Gehalts-Glück!
Ich schufte schwer, ich schufte viel,
doch Ausbeutung ist hier das Spiel.

Ich arbeite stets steif und hart,
auf ganz besondere Arbeitsart.
In tiefen Schluchten, finstren Gängen,
wo Feuchtigkeit und Hitze drängen.

Ich stürze kopfüber ins Gefecht,
an Feiertagen wird mir schlecht,
denn Überstunden ohne Geld
sind das, was mir hier nicht gefällt!

„Auch meine Kleidung ist ein
Graus, oft zieht man mich im
Dunkeln aus! Man zwingt mich
in ein enges Korsett…

manchmal aus Latex, stramm und
komplett. Ich werde oft blindlings
hineingeschickt, wo mancher
Kollege vor Angst erschrickt.

Man presst mich, man quetscht
mich, man nutzt mich nur aus,
am Ende spuck ich dann meine
Seele heraus!“

Gefährlich ist die Zone auch,
Infektionen sind dort Brauch. Und
Frischluft fehlt an diesem Ort, drum
fordere ich mehr Gehalt ab sofort!“

Die Antwort der Kommission.

Das Management schrieb prompt
zurück: „Wir wünschen Ihnen gar
kein Glück! Ihr Antrag wird hiermit
verwehrt, weil Ihre Leistung uns empört.

Keine acht Stunden stehn Sie stramm,
schon müde nach dem ersten Ramm?
Sie schlafen ein nach kurzer Zeit,
für Fleiß sind Sie wohl nicht bereit.

Anweisungen sind Ihnen schnuppe,
Sie tanzen aus der braven Truppe.
Sie wildern gern in fremdem Revier,
statt treu zu dienen Ihrer Gier.

Von selbst tun Sie doch keinen Streich,
man schmeichelt Ihnen, macht Sie weich.
Erst unter Druck und sanfter Hand
erwacht Ihr fauler Arbeitsverstand.

Den Platz verlassen Sie voll Schmutz,
pfeifen auf Kleidung und den Schutz. Und
vor der Rente mit Sechsundsechzig macht
Ihre Kraft schon schlapp und schwächlich.

Zu allem Überfluss, oh Graus, sieht
man Sie oft im Diensthaus, wie Sie
sich heimlich wegbewegen – mit zwei
verdächt’gen Kumpanen im Degen!“

„Zudem ist uns neulich noch aufgefallen:
Sie tauchen oft auf mit erhobenen Krallen,
doch wenn es dann gilt, ein Projekt zu vollenden,
sehen wir Sie oft schon feige wegwenden.

Sie spucken am Ende nur wild in den Raum,
benehmen sich schlecht und erfüllen den
Traum von sauberer Arbeit nun wahrlich recht
selten –da können für Sie keine Boni gelten!

Und schauen wir uns Ihre Zeugnisse an: Sie
drohen zwar groß als ein mächtiger Mann, doch schrumpfen Sie schnell bei der kleinsten Kritik –
für höheres Gehalt fehlt Ihnen das Geschick!“

Die ironische Versöhnung

Der Diener blickt traurig, der Diener blickt
matt, weil er nun die Absage vorliegen hat.
Er senkt seinen Kopf und er schrumpft ein
Stück weit,vorbei ist sie nun, die heroische Zeit.

Doch plötzlich da murmelt das Management
leise:„Wir schätzen Sie dennoch auf unsere
Weise!Zwar sind Ihre Pausen oft viel zu
spontan, doch ohne Sie finge kein Arbeitstag an.

Sie sind und Sie bleiben das beste Stück Kraft,
das trotz aller Faulheit noch Wunder erschafft.
Wir streichen den Bonus, das Gehalt bleibt beim
Alten, doch dafür darf Mutti Sie weiterhin halten!“

Stella Schuhr ⭐

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

💜

Ich liebe es in jeglicher Form
kreativ zu sein …
Mein Motto ist: einfach mal machen!


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