Ein Prisma bricht das eine Licht in Farben,
so spiegelst du dich in der Welt der Form.
Für manche heilst du tief verborgne Narben,
für andre bist du Chaos und ein Sturm.
Im Buch der Fremden bist du Held und Retter,
im nächsten Kapitel nur ein dunkler Schatten.
Du bist das sanfte Laub, das Spiel der Wetter,
der Trost, den sie in schweren Stunden hatten.
Sie sehn dich nur durch ihre eignen Filter,
durch Angst und Sehnsucht, die sie in sich tragen.Projektionen malen diese Bilder,
beantworten die ungestellten Fragen.
Sie weben Kleider dir aus ihren Träumen,
und hüllen dich in Schuld, die sie empfinden.
Du wandelst fremd durch ihre Lebensräume,
während sie dich im eignen Geist erfinden.
Ein jeder sucht in dir nur seine Wunden,
und fordert Heilung, die du nicht besitzt. So
wirst du tausendfach von ihnen neu erfunden,
wie Wetterleuchten, das am Himmel blitzt.
Du bist das Echo, das im Tale widerhallt, der
Ton verformt sich mit der Felsen Wand. So
nimmt dein Wesen jede fremde Form Gestalt,
geformt von einer unsichtbaren Hand.
Doch all die Masken, die dir andre geben,
sind nur das Echo ihrer eignen Spur.
Sie greifen fehl im weiten Fluss vom Leben,
denn deine Wahrheit kennst nur du allein nur.
Der Spiegel bricht, die Stimmen rings verhallen,
am Ende bleibt der Blick in dein Gesicht. Du
musst nicht jedem fremden Urteil fallen –
sei dir selbst treu, dann braucht es andres nicht.

Dana Stella Schuhr

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