Wo Worte stumm am Ufer stehen,
weil jedes Sprechen schier zerbricht,
müssen wir leise Wege gehen,
hinein ins allerletzte Licht.
Es schweigt die Welt in diesen Stunden,
der Lärm des Alltags zieht vorbei,
wir sind im Schmerz zutiefst verbunden,
und alles Hoffen wird zu Blei.
Die Zeit hält ihren Atem an,
die Uhr verliert den vertrauten Takt.
Ein Leben, das so reich begann,
wird nun vom Abschiedsanker gepackt.
Das Herz zerreißt in tausend Scherben,
jeder Schlag ein stummer Schrei,
wir sitzen am Rand von diesem Sterben
und wünschen uns, es wär‘ vorbei.
Ich halte deine Hand so fest, sie ist
so kühl und doch so vertraut.
Bevor du mich im Stich verlässt,
wird jeder Atemzug ganz laut.
Es zieht vorbei im Augenblicke,
was uns im Leben je vereint,
ich baue aus Gedanken Brücken,
während die Seele bitter weint.
Das Lachen, das die Tage hellte,
die Tränen, die wir treu geteilt,
der Sturm, der sich uns entgenstellte,
die Wunden, die die Zeit geheilt…
all diese kleinen, großen Dinge,
sie werden nun zum höchsten Gut.
Ich wünschte, dass ich Zeit bezwinge,
doch schwinden Kraft und Lebensmut.
Man möchte schreien, flehen, betteln,
dass dieser Kelch vorübergeht.
Das Schicksal lässt sich nicht verzetteln,
kein Wind, der sich noch einmal dreht.
Doch tief im Innern wohnt die Klarheit:
Dein schwerer Weg führt dich zur Ruh’.
Es ist die schmerzhafteste Wahrheit:
Ich drücke dir die Augen zu.
Kein Schmerz soll dich fortan mehr
quälen, kein Leiden binden deine Kraft.
Wenn Kräfte deinen Leib erwählen,
hat Friede Platz in dir geschafft.
Ein letzter Hauch, ein sanfter Zug,
das müde Herz steht plötzlich still.
Als ob die Seele mit dir flog, weil es
der Himmel heute will.
Ein Teil von mir ist mitgegangen,
gerissen aus der eignen Brust.
Ich bleibe hier im Netz gefangen,
von dem ich vorher nichts gewusst.
Die Leere füllt den ganzen Raum,
die Stille wiegt zentnerschwer,
das Leben wirkt wie ein böser Traum,
und ohne dich gibt’s mich nicht mehr.
Doch Loslass’n heißt nicht Vergessen-
heit, es bricht das Band der Liebe
nicht. Es ist der Schritt zur Ewigkeit,
der durch die tiefste Trauer bricht
Es braucht die Stärke, dich weg zu
geben, auf deine allerletzte Fahrt,
weil du in meinem Weiterschreiben,
in jedem Herzschlag bist verwahrt.
Du gehst voraus, das Licht dir zeige,
den Weg, den keine Karte kennt.
Ich bleibe hier im Trauerreigen,
der uns für kurze Zeit nur trennt.
Die Liebe bleibt, sie wechselt Räume,
sie stirbt mit deinem Körper nicht.
Sie lebt in mir, durch meine Träume,
bis auch für mich der Tag anbricht.

Dana Stella Schuhr

Schreibe einen Kommentar