Verlieb dich nicht in meinen Schein,
ins Kleid, ins Haar, ins Hübsch-Sein nur.
Lass deine Liebe tiefer sein:
Lieb meine „Out-of-bed“-Frisur.
Lieb meine Augen, wenn sie müde,
die Beine, die nicht glatt rasiert.
Schenk mir auch dann noch deine Güte,
wenn sich mein Geist im Grau verliert.
Wenn ich vergesse, mich zu waschen,
wenn Tränen fließen ohne Sinn,
wenn Zweifel meine Seele haschen
und ich nicht weiß, wer ich noch bin.
Wenn ich das Porzellan verräume
und es ins Badezimmer trag’,
wenn ich verlier‘ die Wachträume
und öfter frag’, was für ein Tag.
Wenn ich nicht weiß, wie man Kaffee
kocht, und meine Welt in Stücke bricht:
Ich wünsch’ mir, dass du mich noch magst
und liest in meinem Angesicht.
Wenn meine Sätze nicht mehr enden
und ich vergaß, was ich grad’ sprach,
dann halt mich fest mit deinen Händen
und erzähl’ mir von deinem Tag.
Hörst du dieselbe Mär zum dritten Mal,
dann tu‘ so, als wär’ sie nagelneu.
Erschaff mir keine Selbstqual,
bleib meiner kleinen Welt noch treu.
Damit ich nicht erkennen muss,
wie sich mein Gedächtnis langsam verliert
wie sich der Film mit leisem Gruß-
aus meinem Inneren verdünnisiert.
Denn mein Besitz, so kostbar schwer,
waren meine Erinnerungen – Stück für Stück.
Nun ist mein Kopf oft leer und schwer,
führ’ mich zu mir selbst zurück.
Vor allem aber, ganz egal wie schwer,
erinn’re mich: Ich bin geliebt.
Damit ich mich nicht ganz verlier’,
solange es dich an meiner Seite gibt.
Denn ohne dich, der mich noch findet,
der mich erkennt und der mich hält,
verirrt mein Ich sich und erblindet-
in meiner eignen, fremden Welt.

Dana Stella Schuhr

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