Sommer in der Toskana Teil. 4

2 Minuten

Während der Staub sich langsam legt und die Mittagssonne ihren Zenit erreicht, stößt Jan mit der Spitze seines Meißels auf einen harten, metallischen Widerstand tief in einer Mauernische.
„Warte mal“, murmelt er und legt vorsichtig eine kleine, verrostete Eisenkassette frei, die hinter einem losen Stein verborgen war.
Gemeinsam heben sie den Fund auf den Holztisch. Mit einem kräftigen Ruck bricht das morsche Schloss auf. Darin liegen keine Goldmünzen, sondern vergilbte Briefe, ein zerbrochener Rosenkranz und ein alter, handgeschmiedeter Schlüssel. Mario entfaltet eines der Papiere. Es ist eine Widmung von 1924, geschrieben in geschwungener, mühsamer Handschrift: „Für die, die nach uns kommen – bewahrt das Feuer, nicht die Asche.“
Jan starrt lange auf den Satz. Die Worte scheinen in der flirrenden Hitze der Toskana eine ganz eigene Schwere zu entwickeln. Er lässt den Blick über die Weinberge schweifen, dann zurück zu seinen staubigen Händen.
„Bewahrt das Feuer…“, wiederholt Jan leise. Er greift in seine Hosentasche, zieht sein Smartphone heraus – das Gerät, das ihn seit Jahren im Minutentakt kontrolliert – und legt es mitten auf den Tisch, direkt neben die alte Eisenkassette. „Ich habe jahrelang nur die Asche von anderen Leuten verwaltet, Mario. Ich habe Bilanzen poliert, die morgen niemanden mehr interessieren.“
Er sieht Mario fest an. „Ich fahre morgen nicht zurück ins Büro. Zumindest nicht, um zu bleiben. Ich werde kündigen.“
Ein erschrockenes, aber befreites Lachen entfährt Bella, während Mario seinem Freund die Hand auf die Schulter legt. „Und was wirst du tun, Jan? Du kannst nicht alle Ruinen der Toskana aufkaufen.“
Jan grinst, und zum ersten Mal seit Jahren wirkt sein Gesichtsausdruck nicht mehr wie eine einstudierte Maske. „Vielleicht kaufe ich gar nichts. Vielleicht fange ich einfach an, wieder etwas zu bauen, das zweihundert Jahre hält. Und wenn es nur mein eigenes Leben ist.“
In diesem Moment greift Luca nach dem alten, handgeschmiedeten Schlüssel auf dem Tisch. Er hält ihn fest umklammert, als wüsste er bereits, dass dieser Schlüssel nicht nur eine alte Tür öffnet, sondern den Weg in eine ganz neue Freiheit weist.

Das Abschiedsfest unter der Pergola wird zu einer Legende in der kleinen Nachbarschaft. Es gibt kein Buffet, sondern jeder bringt etwas mit: der Nachbar gegenüber seinen Schafskäse, der alte Winzer drei Kisten seines besten Riserva.
Jan steht mitten im Trubel, die Ärmel hochgekrempelt, und schenkt Wein aus. Als er zu später Stunde seine Kündigung per E-Mail abschickt – ein kurzer, schnörkelloser Satz –, wirft er sein Handy symbolisch in die leise raschelnden Blätter der Eiche. „Für heute“, sagt er lachend, „gehört meine Zeit nur dem Wind.“ Das Lachen der vier Freunde vermischt sich mit dem fernen Donner eines Sommergewitters, das die Hitze des Tages endlich wegwäscht.

Dana Stella Schuhr

Dana Stella Schuhr

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Ich liebe es in jeglicher Form
kreativ zu sein …
Mein Motto ist: einfach mal machen!


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