Ich sehe dich

Ein Schatten ruht in deinem Blick,
den du vor aller Welt bewahrst, du
kehrst das Gestern stumm zurück,
das du in deinem Herzen sparst.

Die Welt sieht nur die feste Wand,
den Stolz, der um keine Hilfe fleht,
doch ich erkenne den Bestand von
Sehnsucht, die im Wind verweht.

Es ist ein schweres, leises Leid,
das keine lauten Worte braucht,
ein Echo aus der Einsamkeit, das
wie ein kalter Hauch eintaucht.

Ich stehe still an deinem Rand,
wo Traurigkeit den Takt bestimmt,
und halte deine leere Hand, bis
uns die Nacht gefangen nimmt.

Kein Trost, der falsche Hoffnung
weckt, nur Schweigen, das den
Schmerz versteht, weil sich in dir
ein Meer versteckt, das niemals…

ganz vorübergeht. Die Hoffnung ist
ein ferner Gast, der deine Schwelle
nie betritt, du trägst die unsichtbare
Last mit jedem müden Lebensschritt.

Dein Schweigen ist ein tiefer See,
aus schwarzem Glas und kaltem
Stein, darunter ruht der alte Schnee
und friert die eignen Wünsche ein.

Kein Morgenlicht, das Rettung bringt,
kein Wort, das diese Stille bricht, nur
Sehnsucht, die im Kreis sich schlingt
und doch das Dunkel nicht belicht’.

Ich bin nur ein Schatten neben dir,
ein Echo deines eig’nen Seins und
bleiben fremd und doch sind wir im
Abgrund dieses Augenblicks eins.

So stehen wir am Rand der Welt,
wo alles Leuchten langsam stirbt,
und schauen, wie der Vorhang fällt
und sich das Sein in Grau entfärbt.

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Avatar von Dana Stella Schuhr

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