Das Duell der Entschleierung
Kein Stahl durchdringt den alten
Trug, kein Zorn bricht diesen Bann.
Es war der Wahrheit kühler Zug,
der Gott zur Zahl rann.
Wo Pathos einst die Welt bewegt
und Blut den Sand getränkt, wird
nun die Formel bloßgelegt, die
alles Sein beschränkt. Der Krieg? …
Nur Reibung, Funkenflug. Die Liebe?
Nervenlicht. Der Sohn zerbrach
den letzten Krug, der Mythen –
schleier bricht. Nun steht er da…
im leeren Saal, das Licht so hell
und rein. Er wählt für sich die
letzte Wahl: Ein Niemand mehr
zu sein. Die Welt wird flach…
die Höhe stirbt, kein Thron bleibt
auf dem Stein. Wo kein Erlöser
mehr wirbt, muss Mensch sich
selber sein. Menschwerdung: …
Kein Blitz belehrt mehr ihre Not,
kein Schicksalsfaden führt. Es
schweigt das alte Göttergebot,
das keinen Geist mehr rührt.
Nun greift der Mensch in leeren
Raum, aus Angst wird kalte Sicht;
er wacht aus seinem Göttertraum
und ist sich selbst das Licht.
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