Von Dana Stella Schuhr
Rheumatoide Arthritis. Hashimoto. Eine Schilddrüse, die nicht mehr vernünftig funktioniert. Und als wäre das nicht schon genug, gesellte sich auch noch ein verdammter Diabetes dazu.
Na wunderbar! Herzlichen Glückwunsch, Stella! Genau das hat dir zu deinem Lebensglück noch gefehlt!
Natürlich nicht.
Ich hätte auf diesen ganzen Mist liebend gerne verzichtet. Auf die Schmerzen, die Einschränkungen und die Tage, an denen mein Körper offenbar beschlossen hat, seine Zusammenarbeit mit mir vorübergehend einzustellen.
Aber weißt du was?
Ich habe irgendwann aufgehört, ausschließlich darauf zu schauen, was mir das Leben genommen hat.
Stattdessen habe ich mich gefragt:
Was kann ich denn jetzt mit dem anfangen, was mir geblieben ist?
Und noch viel interessanter:
Was habe ich eigentlich mein Leben lang gerne machen wollen, wofür mir früher aber schlichtweg die Zeit fehlte?
Wenn das Funktionieren plötzlich aufhört
Jahrzehntelang bestand mein Leben, wie bei so vielen anderen Menschen, aus Verpflichtungen.
Arbeiten, funktionieren, den Lebensunterhalt verdienen, den Haushalt versorgen, die Familie begleiten und all die tausend Dinge erledigen, die nun einmal dazugehören.
Und irgendwann am Abend?
Da war von der eigenen Kraft häufig nicht mehr viel übrig.
Dabei hatte ich so viele Interessen, so viele Gedanken, so viele Geschichten im Kopf.
Ich liebte schon immer das Schreiben. Gedichte, Geschichten, kleine Beobachtungen über das Leben. Meine Fantasie war nie arbeitslos.
Nur ich hatte kaum die Zeit, ihr so viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie ich gerne gewollt hätte.
Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem mein Körper mir unmissverständlich erklärte, dass das bisherige Arbeitspensum nicht mehr möglich war.
Das war zunächst keine schöne Erkenntnis.
Aber musste sie deshalb das Ende meiner Möglichkeiten bedeuten?
Oder vielleicht den Anfang ganz anderer?
Was hättest du gemacht, wenn du Zeit gehabt hättest?
Diese Frage möchte ich besonders den Menschen stellen, deren Leben sich durch eine Erkrankung erheblich verändert hat.
Was hättest du gerne gemacht?
Hättest du gemalt? Ein Instrument gelernt? Bücher geschrieben? Eine neue Sprache entdeckt? Dich mit Pflanzen beschäftigt, fotografiert, gezeichnet oder endlich all die Bücher gelesen, die seit Jahren darauf warten, aufgeschlagen zu werden?
Was hat dich früher begeistert, bevor der Alltag deine ganze Zeit und Kraft beanspruchte?
Und wenn dir deine heutige Lebenssituation tatsächlich mehr freie Zeit ermöglicht, warum solltest du diese nicht für etwas verwenden, das dir Freude bereitet?
Natürlich immer im Rahmen dessen, was deine Gesundheit zulässt.
Es geht nicht darum, sich trotz Krankheit zu Höchstleistungen zu zwingen.
Es geht darum, die eigenen Möglichkeiten wiederzuentdecken.
Vielleicht kannst du manches nicht mehr tun, was früher zu deinem Alltag gehörte. Aber vielleicht kannst du jetzt etwas tun, wofür früher niemals genügend Raum vorhanden war.
Ist das nicht auch ein Wertgewinn?
Meine persönliche Antwort heißt Schreiben
Ich befinde mich heute gewissermaßen im Vorruhestand, auch wenn ich offiziell noch keine Rentenbezüge erhalte.
Und ich genieße etwas, das für mich inzwischen zu den größten Luxusgütern überhaupt gehört:
Zeit.
Zeit für meine Gedanken. Für meine Fantasie. Für Gedichte, Geschichten und Bücher.
Ich habe im Laufe meines Lebens über tausend Gedichte geschrieben. Heute entstehen viele meiner Werke mit einer Begeisterung, die mich manchmal selbst überrascht.
Wenn ich mitten in einer Geschichte stecke, kann aus einem Abend schon einmal eine ganze Nacht werden. Plötzlich wird es draußen hell, und ich stelle fest, wie unglaublich viel ich wieder geschrieben habe.
Nein, ich bin nicht plötzlich zur künstlichen Intelligenz mutiert. Ich habe schlichtweg die ganze Nacht gearbeitet! Und das aus purer Freude.
Meine Schöpferkraft ist nicht verschwunden, nur weil mein Körper nicht mehr alles leisten kann, was er früher geleistet hat.
Im Gegenteil: Heute bekommt sie endlich den Raum, den ich ihr so lange nicht geben konnte.
Und ich wäre doch schön bescheuert, wenn ich diese Möglichkeit nicht nutzen würde!
Muss man deshalb dankbar für seine Krankheiten sein?
Nein!
Ich bin nicht dankbar für Schmerzen. Nicht für Einschränkungen und schon gar nicht für die gesundheitlichen Schwierigkeiten, die damit einhergehen.
Aber ich bin dankbar dafür, dass ich innerhalb meiner veränderten Lebensumstände etwas gefunden habe, das mich glücklich macht.
Das ist für mich ein ganz wesentlicher Unterschied.
Eine Erkrankung muss nicht gut sein, damit aus einer veränderten Lebenssituation etwas Gutes entstehen kann.
Und genau deshalb kann ich heute sogar mit einem Augenzwinkern sagen:
„Ich bin nicht aus dem Arbeitsleben ausgestiegen, um nichts mehr zu tun. Ich habe endlich die Freiheit, mehr von dem zu tun, was ich liebe. Meine lieben autoimmunen Erkrankungen, jetzt weiß ich wofür ihr gut seid.“
Natürlich ist das meine ganz persönliche, ironische Betrachtungsweise.
Nicht jeder Mensch hat dieselben gesundheitlichen oder finanziellen Möglichkeiten. Manche Erkrankungen lassen kaum Raum für neue Aktivitäten. Andere Menschen müssen erst einmal lernen, mit ihren Veränderungen zurechtzukommen.
Auch Trauer, Wut und Verzweiflung dürfen ihren Platz haben.
Niemand muss glücklich sein, nur weil er jetzt mehr Zeit hätte.
Aber wenn irgendwann wieder ein wenig Kraft und Zuversicht vorhanden sind, warum sollte man nicht schauen, was damit möglich ist?
Das Leben findet nicht ausschließlich dort statt, wo wir früher gearbeitet haben
Vielleicht müssen wir uns manchmal von der Vorstellung verabschieden, dass unser Wert davon abhängt, wie viel wir beruflich leisten.
Ein Mensch verliert doch nicht seinen Wert, nur weil er nicht mehr im bisherigen Umfang arbeiten kann.
Seine Gedanken verschwinden nicht. Seine Begabungen lösen sich nicht in Luft auf. Seine Sehnsüchte und Interessen hören nicht einfach auf zu existieren.
Und ganz gewiss endet sein Recht auf Lebensfreude nicht mit der Erwerbsfähigkeit.
Ich möchte mein Leben jedenfalls nicht damit verbringen, ausschließlich dem nachzutrauern, was ich nicht mehr kann.
Ich möchte das genießen, was mir weiterhin möglich ist.
Ich möchte schreiben, lachen, lieben, lernen und Neues entdecken.
Ich möchte meine Tage nicht bloß überstehen.
Ich möchte sie leben.
Deshalb frage ich dich:
Was hast du dir früher immer vorgenommen, aber niemals verwirklicht, weil dir die Zeit fehlte?
Und gibt es vielleicht heute eine Möglichkeit, diesem Wunsch ein Stück näherzukommen?
Vielleicht ist es nichts Großes. Vielleicht ist es nur eine kleine Freude, die deinem Alltag wieder ein bisschen Farbe schenkt.
Aber auch kleine Freuden sind Lebenszeit, die wir nicht ungenutzt verstreichen lassen müssen.
Nicht alles, was wir verlieren, können wir zurückgewinnen. Aber wir dürfen entdecken, welchen Wert das Leben für uns noch bereithält.
Und manchmal zeigt sich dabei etwas Überraschendes:
Dass wir trotz aller Einschränkungen noch unglaublich viel zu geben haben.
Nicht unbedingt dort, wo wir es ursprünglich erwartet hätten.
Sondern vielleicht genau dort, wo wir uns schon immer zu Hause gefühlt haben.
In dem, was wir lieben.
Wenn Krankheit zur Chance wird – und das Leben plötzlich neue Möglichkeiten eröffnet
Von Dana Stella Schuhr
Rheumatoide Arthritis. Hashimoto. Eine Schilddrüse, die nicht mehr vernünftig funktioniert. Und als wäre das nicht schon genug, gesellte sich auch noch ein verdammter Diabetes dazu.
Na wunderbar! Herzlichen Glückwunsch, Stella! Genau das hat dir zu deinem Lebensglück noch gefehlt!
Natürlich nicht.
Ich hätte auf diesen ganzen Mist liebend gerne verzichtet. Auf die Schmerzen, die Einschränkungen und die Tage, an denen mein Körper offenbar beschlossen hat, seine Zusammenarbeit mit mir vorübergehend einzustellen.
Aber weißt du was?
Ich habe irgendwann aufgehört, ausschließlich darauf zu schauen, was mir das Leben genommen hat.
Stattdessen habe ich mich gefragt:
Was kann ich denn jetzt mit dem anfangen, was mir geblieben ist?
Und noch viel interessanter:
Was habe ich eigentlich mein Leben lang gerne machen wollen, wofür mir früher aber schlichtweg die Zeit fehlte?
Wenn das Funktionieren plötzlich aufhört
Jahrzehntelang bestand mein Leben, wie bei so vielen anderen Menschen, aus Verpflichtungen.
Arbeiten, funktionieren, den Lebensunterhalt verdienen, den Haushalt versorgen, die Familie begleiten und all die tausend Dinge erledigen, die nun einmal dazugehören.
Und irgendwann am Abend?
Da war von der eigenen Kraft häufig nicht mehr viel übrig.
Dabei hatte ich so viele Interessen, so viele Gedanken, so viele Geschichten im Kopf.
Ich liebte schon immer das Schreiben. Gedichte, Geschichten, kleine Beobachtungen über das Leben. Meine Fantasie war nie arbeitslos.
Nur ich hatte kaum die Zeit, ihr so viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie ich gerne gewollt hätte.
Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem mein Körper mir unmissverständlich erklärte, dass das bisherige Arbeitspensum nicht mehr möglich war.
Das war zunächst keine schöne Erkenntnis.
Aber musste sie deshalb das Ende meiner Möglichkeiten bedeuten?
Oder vielleicht den Anfang ganz anderer?
Was hättest du gemacht, wenn du Zeit gehabt hättest?
Diese Frage möchte ich besonders den Menschen stellen, deren Leben sich durch eine Erkrankung erheblich verändert hat.
Was hättest du gerne gemacht?
Hättest du gemalt? Ein Instrument gelernt? Bücher geschrieben? Eine neue Sprache entdeckt? Dich mit Pflanzen beschäftigt, fotografiert, gezeichnet oder endlich all die Bücher gelesen, die seit Jahren darauf warten, aufgeschlagen zu werden?
Was hat dich früher begeistert, bevor der Alltag deine ganze Zeit und Kraft beanspruchte?
Und wenn dir deine heutige Lebenssituation tatsächlich mehr freie Zeit ermöglicht, warum solltest du diese nicht für etwas verwenden, das dir Freude bereitet?
Natürlich immer im Rahmen dessen, was deine Gesundheit zulässt.
Es geht nicht darum, sich trotz Krankheit zu Höchstleistungen zu zwingen.
Es geht darum, die eigenen Möglichkeiten wiederzuentdecken.
Vielleicht kannst du manches nicht mehr tun, was früher zu deinem Alltag gehörte. Aber vielleicht kannst du jetzt etwas tun, wofür früher niemals genügend Raum vorhanden war.
Ist das nicht auch ein Wertgewinn?
Meine persönliche Antwort heißt Schreiben
Ich befinde mich heute gewissermaßen im Vorruhestand, auch wenn ich offiziell noch keine Rentenbezüge erhalte.
Und ich genieße etwas, das für mich inzwischen zu den größten Luxusgütern überhaupt gehört:
Zeit.
Zeit für meine Gedanken. Für meine Fantasie. Für Gedichte, Geschichten und Bücher.
Ich habe im Laufe meines Lebens über tausend Gedichte geschrieben. Heute entstehen viele meiner Werke mit einer Begeisterung, die mich manchmal selbst überrascht.
Wenn ich mitten in einer Geschichte stecke, kann aus einem Abend schon einmal eine ganze Nacht werden. Plötzlich wird es draußen hell, und ich stelle fest, wie unglaublich viel ich wieder geschrieben habe.
Nein, ich bin nicht plötzlich zur künstlichen Intelligenz mutiert. Ich habe schlichtweg die ganze Nacht gearbeitet! Und das aus purer Freude.
Meine Schöpferkraft ist nicht verschwunden, nur weil mein Körper nicht mehr alles leisten kann, was er früher geleistet hat.
Im Gegenteil: Heute bekommt sie endlich den Raum, den ich ihr so lange nicht geben konnte.
Und ich wäre doch schön bescheuert, wenn ich diese Möglichkeit nicht nutzen würde!
Muss man deshalb dankbar für seine Krankheiten sein?
Nein!
Ich bin nicht dankbar für Schmerzen. Nicht für Einschränkungen und schon gar nicht für die gesundheitlichen Schwierigkeiten, die damit einhergehen.
Aber ich bin dankbar dafür, dass ich innerhalb meiner veränderten Lebensumstände etwas gefunden habe, das mich glücklich macht.
Das ist für mich ein ganz wesentlicher Unterschied.
Eine Erkrankung muss nicht gut sein, damit aus einer veränderten Lebenssituation etwas Gutes entstehen kann.
Und genau deshalb kann ich heute sogar mit einem Augenzwinkern sagen:
„Ich bin nicht aus dem Arbeitsleben ausgestiegen, um nichts mehr zu tun. Ich habe endlich die Freiheit, mehr von dem zu tun, was ich liebe. Meine lieben autoimmunen Erkrankungen, jetzt weiß ich wofür ihr gut seid.“
Natürlich ist das meine ganz persönliche, ironische Betrachtungsweise.
Nicht jeder Mensch hat dieselben gesundheitlichen oder finanziellen Möglichkeiten. Manche Erkrankungen lassen kaum Raum für neue Aktivitäten. Andere Menschen müssen erst einmal lernen, mit ihren Veränderungen zurechtzukommen.
Auch Trauer, Wut und Verzweiflung dürfen ihren Platz haben.
Niemand muss glücklich sein, nur weil er jetzt mehr Zeit hätte.
Aber wenn irgendwann wieder ein wenig Kraft und Zuversicht vorhanden sind, warum sollte man nicht schauen, was damit möglich ist?
Das Leben findet nicht ausschließlich dort statt, wo wir früher gearbeitet haben
Vielleicht müssen wir uns manchmal von der Vorstellung verabschieden, dass unser Wert davon abhängt, wie viel wir beruflich leisten.
Ein Mensch verliert doch nicht seinen Wert, nur weil er nicht mehr im bisherigen Umfang arbeiten kann.
Seine Gedanken verschwinden nicht. Seine Begabungen lösen sich nicht in Luft auf. Seine Sehnsüchte und Interessen hören nicht einfach auf zu existieren.
Und ganz gewiss endet sein Recht auf Lebensfreude nicht mit der Erwerbsfähigkeit.
Ich möchte mein Leben jedenfalls nicht damit verbringen, ausschließlich dem nachzutrauern, was ich nicht mehr kann.
Ich möchte das genießen, was mir weiterhin möglich ist.
Ich möchte schreiben, lachen, lieben, lernen und Neues entdecken.
Ich möchte meine Tage nicht bloß überstehen.
Ich möchte sie leben.
Deshalb frage ich dich:
Was hast du dir früher immer vorgenommen, aber niemals verwirklicht, weil dir die Zeit fehlte?
Und gibt es vielleicht heute eine Möglichkeit, diesem Wunsch ein Stück näherzukommen?
Vielleicht ist es nichts Großes. Vielleicht ist es nur eine kleine Freude, die deinem Alltag wieder ein bisschen Farbe schenkt.
Aber auch kleine Freuden sind Lebenszeit, die wir nicht ungenutzt verstreichen lassen müssen.
Nicht alles, was wir verlieren, können wir zurückgewinnen. Aber wir dürfen entdecken, welchen Wert das Leben für uns noch bereithält.
Und manchmal zeigt sich dabei etwas Überraschendes:
Dass wir trotz aller Einschränkungen noch unglaublich viel zu geben haben.
Nicht unbedingt dort, wo wir es ursprünglich erwartet hätten.
Sondern vielleicht genau dort, wo wir uns schon immer zu Hause gefühlt haben.
In dem, was wir lieben.
Dana Stella Schuhr

Herzlichst ❤️ Dana Stella Schuhr ⭐

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