Seichte Gewässer

Ein Baldachin aus Lügenflicken,
spannt sich weit ums Himmelszelt.
Wie Lampen, die die Sonn’ ersticken,
behütet Nacht die matte Welt.

Wie wär’ es wohl im lichten Glanz?
Was harrte unser dort im Freien?
Ein einz’ger Riss im Lügenkranz –
und grell würd’ jede Tat gedeihen.

So lau, so seicht, so voller Segen,
wiegt uns die Flut in sanfter Ruh’.
Wär’ ich dem Strom nicht entflogen,
ich schloss’ wie ihr die Augen zu.

Wir weben Netze aus Vergessen,
und hüllen uns in Seide ein. Vom
blinden Hochmut ganz besessen,
genügt uns schon der matte Schein.

Doch unter jener glatten Fläche,
da gärt der Grund, da modert Zeit.
Bis dass die dünne Schale bräche
und uns vom sanften Trug befreit.

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Avatar von Dana Stella Schuhr

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