Das steinerne Gesetz

Er reicht den Stein, nicht mehr das Licht,
Das blendend durch die Wolken bricht.
„Hier“, sagt der Sohn, „ist deine Hand,
Die erste Macht im weiten Land.

Kein Gott zieht mehr die Furche vor,
Du bist der Wächter, du das Tor.“
Er zeichnet Linien in den Staub,
Ganz ohne Priester, ohne Raub.

„Das erste Fundament heißt: Tat. Du
bist der Sämann, du die Saat. Was du
nicht schaffst, das wird nicht sein,
Du stehst im Schicksal ganz allein.“

„Das zweite Band ist Menschenwort,
An jedem Tisch, an jedem Ort. Wenn
oben stumme Throne thronen, dann
muss unten wahre Güte wohnen.

Teile dein Brot, nicht aus Gebot,
Sondern aus Trotz vor fremder
Not.“ „Das dritte Maß ist deine
Zeit, ein kurzer Blitz in Ewigkeit.

Was stirbt, das hat erst wahren Wert,
Weil es die Liebe uns gelehrt. Ein Gott
weiß nichts von Abschiedsschmerz,
doch du besitzt ein schlagend Herz.“

Der Bauer wiegt den harten Stein, er
will kein Knecht, kein Opfer sein. Doch
in der Ferne grollt der Spott, denn leiser
flüstert nun der Gott: „Was nützt dir die…

Freiheit im Dreck, schenk uns den
Geist, wir nehmen’s dir dann weg.“
Keiner will sich mehr zu Göttern
bekennen, sich von Freiheit trennen!

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Avatar von Dana Stella Schuhr

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