Der Mensch erfährt mit all den Tagen,
was Rousseau einst schon wollte sagen:
Dass jeder Mensch doch gut geboren,
das Licht in ihm nie ganz verloren.
Doch manches trifft das Herz so schwer,
die Seele findet kaum noch her zu jenem
Guten, das sie eigentlich ist und war,
bezwungen von der Lebensgefahr.
Auf einmal scheint das Gute plötzlich
schlecht, wenn sich das Opfer bitter
rächt. Doch auch der Täter hat erfahren,
er konnt’ seine Seele nicht bewahren.
Vor tiefem Schmerz und großem Leid,
das raubte ihm die Menschlichkeit.
Doch Opfer, bitte werd’ du nicht zum
Täter, zu bitter ist die Reue später.
Weil aller Zorn nur Krieg entfacht,
das Gute leider in dir niederhält.
Ich lerne nun bei Tag und Nacht,
was wirklich zählt in dieser Welt.
Mit jedem Tag lern’ ich das Vergeben,
begreife mehr ich das Loszulassen.
Um wieder frei im Licht zu schweben,
statt still im Groll mich zu verfassen.
Befreit von dem, was mich beschwert,
will ich die Stille nun entsenden.
Die Welt, sie ist der Liebe wert,
ich will ihr meine Wärme schenken.
Der grauen Welt will Farbe geben,
der traurigen ein Lächeln sein.
Im Einklang mit dem Ganzen leben,
ich bin ich selbst – und nicht allein.
Was wir verschweigen, bleibt besteh’n,
als Knoten tief in unserm Leib. Wir
lassen es im Stillen geh’n, damit kein
Schmerz mehr als Trauma bleibt.
Denn was wir niemals offen sagen,
das stirbt nicht einfach ungesehen.
Es tötet uns an fahlen Tagen, –
wenn wir nicht mutig dazu steh’n.

Dana Stella Schuhr
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