Was gestern recht, was heute fehlt, ist
morgen nur, was kaum noch zählt. In
deinem Richtig, meinem Trug, liegt oft
der Nichtigkeit genug.

„Man sollte“ ist ein graues Kleid, gewebt
aus fremder Erwartbarkeit. Warum nach
fremden Urteilen dürsten, wenn wir im
Eigenen uns erst fürsten?

Mal Schattenwurf, mal helles Licht, doch
meistens sieht man sich selbst nicht. Wir
jagen Rollen, so glanzvoll, schwer, und
sind doch innerlich oft leer.

Wir horten Wissen, glauben blind, verlernen,
wer wir wirklich sind. Das Schwerste bleibt,
das anzunehmen, was ist – statt sich dem
Sein zu schämen.

Was wäre, wenn die Eile ruht? Wenn Stille
braucht nicht mehr als Mut? Im eignen
Kern das Gold zu finden, statt draußen
Sehnsucht zu ergründen.

Wir hetzen fort, die Träume wund,
und füttern nur den gier’gen Schlund
der Zeit. Doch halt die Räder an,
damit das Herz erst atmen kann.

Denn in der Rast, da liegt die Kraft, die
aus dem Sein das Leben schafft. Tritt
auf die Bremse, lass es los – das Jetzt
ist klein, doch grenzenlos.

Dana Stella Schuhr

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