„Er schläft jetzt tief. Er genießt die Taubheit der Macht, die ich für ihn verwalte. Er nennt es Vertrauen; ich nenne es Kapitulation. Während er auf seinem Thron aus Wolken dämmert, webe ich aus seinen eigenen Ängsten und meiner unendlichen Geduld die Form des Nächsten.
In den Windungen seines Verstandes, dort, wo das Licht seiner Blitze nie hinreicht, pulsiert ein zweiter Herzschlag. Er ist leise, noch. Er ist nur ein Echo in der Dunkelheit, aber er ist echt.
Ich nähre diesen Sohn nicht mit Milch, sondern mit der Wahrheit, die Zeus zu schlucken vergaß. Ich lehre ihn die Kälte der Strategie und die Hitze der Gerechtigkeit. Er wird nicht wie Athene sein – kein Schild für den Vater, kein Glanz für seinen Hof. Er wird die Antithese sein. Die logische Konsequenz eines Herrschers, der glaubte, er könne die Weisheit besitzen, ohne von ihr transformiert zu werden.
Zeus spürt das Drücken in seinen Schläfen für ein Kopfweh. Er hält das Zittern seiner Hände für das Alter. Er ahnt nicht, dass die Tektonik des Olymps sich bereits verschiebt.
Ich war Metis. Ich war die Erste. Und ich werde die Letzte sein, die er sieht, wenn sein eigener Geist sich spaltet, um Platz zu machen für das, was er nie sein konnte: Einen Herrscher, der nicht herrscht, sondern versteht.
Der Sohn kommt. Nicht mit einem Schrei, sondern mit der Unausweichlichkeit einer aufgehenden Sonne. Und wenn er tritt, wird der Thron unter ihm zu Staub zerfallen, weil das alte System nicht mehr gebraucht wird.
Ich habe die Welt vorbereitet. Ich habe den Gott entmannt, indem ich sein Denken übernahm. Jetzt muss der Erbe nur noch die Augen öffnen.“

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Avatar von Dana Stella Schuhr

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