„Er nennt es Herrschaft. Ich nenne es Isolation.
Jedes Mal, wenn er den Mund öffnet, um ein Urteil zu fällen, lege ich ihm die Zweifel wie kalte Steine auf die Zunge. Er spürt meinen Atem in seinem Nacken, obwohl kein Raum zwischen uns ist. Ich bin der Schatten hinter seinem Auge, der ihm zuflüstert: ‚Bist du sicher? Oder ist das nur mein Gedanke, den du für deinen eigenen hältst?‘
Das ist meine Rache: Ich habe ihn um seine Gewissheit gebracht. Ein Gott, der zweifelt, ist kein Gott mehr – er ist ein Sterblicher mit zu viel Macht.
Er versucht, mich zu ertränken. Er trinkt den stärksten Wein der Maroneia, um mein Flüstern zu betäuben. Er sucht die Betten sterblicher Frauen auf, flieht in ihre Hitze, nur um in dem Moment, in dem er sich verliert, mein Lachen in seinem eigenen Kehlkopf zu spüren. Er kann mich nicht ausspeien. Er kann mich nicht exorzieren.
‚Metis‘, grollt er in der Schlaflosigkeit der Götter, ‚verlass mein Fleisch.‘
‚Ich bin dein Fleisch‘, antworte ich ohne Stimme. ‚Ich bin die Falte auf deiner Stirn. Ich bin der Plan, den du noch nicht kennst. Du hast mich verschluckt, um den Thron zu retten – nun trag die Last der Krone in deinem eigenen Mark.‘
Er beginnt, Athene zu hassen. Wenn sie den Raum betritt, sieht er mich. Er sieht meine Präzision in ihrem Speerwurf, meine Kühle in ihrem Rat. Er fürchtet sie, weil sie der Beweis dafür ist, dass ich gebären kann, ohne dass er es erlaubt.
Der psychologische Krieg ist fast gewonnen. Denn Zeus hat angefangen, sich selbst zu misstrauen. Und ein Herrscher, der sich selbst fürchtet, hat seinen Thron bereits verloren – noch bevor mein Sohn den ersten Atemzug tut.“

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Avatar von Dana Stella Schuhr

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