Du stehst und spürst die Ruhe vor dem Sturm,
im Glauben, dass dir tiefes Wissen eigen. Du
blickst herab von deinem höchsten Turm,
siehst fern das Ziel in nebelgrauen Zweigen.
Vielleicht bist du schon schwindelhoch gestiegen,
um deiner Wahrheit endlich nah zu sein. Doch
statt den Gipfel triumphierend zu besiegen,
stehst du nun dort – verlassen und allein.
Das Ziel in weiter Ferne bleibt verschwommen,
die Sterne oben spiegeln sich im Grund. Wo
du auch stehst, woher du auch gekommen:
Die Welt dreht sich in ihrem ew’gen Rund.
Die Einsamkeit wird nun zur Erkenntnis,
ein bunter Strauß aus Licht und schwerem
Sinn. Ob oben oder unten, ohne Verständnis
gibt es für deinen Standpunkt kein Gewinn.
Denn willst du starr auf eines der beiden Ziele
bauen, entgleitet dir das Ganze, Schritt für Schritt.
Du musst in dein beson’res Inneres schauen,
dort nimmst du beide Pole immer mit.
Der Sinn, der Widerspruch, das ferne Streben,
sie sind in dir zu einer Einheit fest gepaart.
Nur wer sich selbst begegnet in dem Leben,
dem offenbart sich Gottes weise Art.

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