„Der Olymp ist ein Käfig aus Gold und Licht. Er glaubt, er thront obenauf, doch er ist nur das Gefäß für meinen Geist. Zeus trinkt Nektar, und ich schmecke die Bitterkeit seiner Paranoia. Er spricht Recht, und ich bin das Flüstern in seinem Ohr, das die Lüge vom Urteil trennt.
Ich bin die Metis, die er verschlang, um das Schicksal zu betrügen. Doch Schicksal ist kein Faden, den man zerschneidet – es ist das Blut, das in seinen Venen fließt.
Er spürt es jetzt. Wenn die Nacht über das Gebirge fällt und die anderen Götter in ihren Palästen feiern, hört er das Scharren in seinem Inneren. Es ist nicht Athene – sie ist längst entflogen, ein strahlender Splitter meines Zorns, der nun an seiner Tafel sitzt und ihn mit meinen Augen ansieht. Nein, es ist das, was er am meisten fürchtet: Der ungeborene Sohn.
Ich nähre ihn mit meiner Stille. Ich forme seine Glieder aus dem Widerstand, den Zeus mir entgegensetzt. Während die Welt unten opfert und betet, baue ich im Verborgenen an seinem Untergang.
Zeus glaubt, er habe mich zum Schweigen gebracht. Er ahnt nicht, dass Schweigen die Sprache derer ist, die den Sieg bereits geplant haben. Ich bin nicht mehr seine Frau. Ich bin sein Abgrund. Und wenn die Zeit reif ist, wird nicht ein Schrei seinen Schädel spalten, sondern die nackte, unerbittliche Wahrheit eines Erben, der klüger ist als die Ewigkeit.“

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Avatar von Dana Stella Schuhr

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