Die Wiege im Sturm

Sturmwind im Kopf, die Macht so schwer,
er schläft auf Wolken, weiß nichts mehr.
Er nennt es Glaube, ich Verrat – Ich säe
heimlich meine Saat. In seinem Geist …

wo Blitze schweigen, wird sich ein neues
Leben zeigen. Ein zweiter Schlag, ein leiser
Ton, aus Zeus’ Vergessen wächst der Sohn.
Kein Schild für ihn, kein holder Glanz…

Kein Tanz in seinem Hofstaat-Kranz. Ich
nähre ihn mit Eis und Licht, mit Wahrheit,
die der Vater bricht. Das Drücken dort an
seiner Stirn? Das ist kein Alter im Gehirn.

Es ist der Thron, der leise birst, weil du nicht
mehr der Herrscher wirst. Ich war die Erste,
Metis’ Geist, die nun die alte Welt zerreißt.
Die Sonne steigt, das Ende naht, vollendet…

ist die stille Tat. In den Katakomben seines
Denkens wächst das Kind, nicht aus Fleisch,
sondern aus dem, was wir sind: Ein Prisma,
das den falschen Strahl bricht, ein Schatten…

der das Urteil spricht. Er ist die Klinge, die kein
Blut vergießt, die Quelle, die rückwärts in den
Ursprung fließt. Er trägt keinen Donner, er trägt
das Gewicht einer Welt, die unter der Willkür…

zerbricht. Sein Blick ist der Spiegel, den Zeus
nicht erträgt, weil er jede Lüge in Wahrheit
zerlegt. Nicht Thronraub, nicht Mord ist sein
heiliges Ziel, er beendet das göttliche Würfelspiel.

Er ist das Schweigen nach dem großen Knall,
der weiche Moosboden nach dem tiefen Fall.
Wo Zeus nur befahl, wird der Sohn nun ver-
stehen, und das alte Gefüge im Wind verwehen.

Beitrag teilen
Avatar von Dana Stella Schuhr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert